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Mein Weihnachtsbrief vom Advent 1980, Anne Riege gewidmet (48/2011)

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Liebe Freunde innerhalb und außerhalb der Festung Gottes.

Ein neues Kirchenjahr hat begonnen. Und wieder bereiten wir uns vor auf den Tag der Geburt dessen, der uns voran ging und der wollte: Folgt mir nach. Gleichsam, dass jeder von uns Papst wird. Also ein Stellvertreter des Dreieinigen Gottes auf Erden.

Vertritt ein jeder von uns die Interessen Gottes? So, wie Jesus als Christus es tat? Warum gelingt das nur so wenigen? Liegt es an der Ungläubigkeit der Menschen unserer Zeit, oder liegt es daran: Unsere Kirchen behandeln die Jugendlichen noch wie Analphabeten. Müssen die noch vor den Perlen des Glaubens geschützt werden?

In die Geheimnisse des Universums wird unsere Jugend eingeweiht. Jedoch nicht in die Geheimnisse des Glaubens. Dürfen wir uns da beschweren, wenn ein großer Teil der Jugend nichts mehr von der Kirche wissen will?! Jugendliche wollen nicht wie kleine Kinder behandelt werden. Sie wollen eingeweiht werden. Und zwar in alle Geheimnisse.

Aber wie soll das gelingen, wenn sogar die Priester nicht eingeweiht sind. Sie geben nur das weiter, was sie als Kinder auswendig gelernt haben. Und was ihnen dann an der Universität erklärt wurde. Dürfen wir uns dann wundern, wenn 67 Prozent der 18-21-Jährigen sagen: “Ich möchte mein Leben genießen und mich nicht mehr abmühen als nötig.” Nur ein Drittel erklärt: “Ich betrachte mein Leben als Aufgabe, möchte etwas leisten.” Wenn wir unserer Jugend keinen verantwortlichen Umgang mit Glaubenswahrheiten zutrauen, dürfen wir auch nicht erwarten, dass sie ihr Leben in voller Verantwortung in die Hände nimmt. Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn immer mehr junge Menschen ihr Leben wegwerfen. Indem sie nun mit dem Auto gegen einen Baum fahren oder sich zu viel Heroin spritzen.

Christus sagt uns: “Wenn einer nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen” (Joh. 3,3). Unterrichten wir unsere Jugendlichen ausreichend über die Wiedergeburt?

Für die ersten Christen war die Taufe der Zeitpunkt der Wiedergeburt. Im Titusbrief heißt es im dritten Kapitel Vers fünf: “In der Taufe wurde uns eine neue Geburt zuteil, wir sind zu neuen Menschen geworden durch den Heiligen Geist.”

Was früher bewusst erlebt wurde, erleben wir heute nur noch im Unterbewusstsein. Wenn unsere Eltern uns als Kinder zum Taufbecken bringen. Dürfen wir uns da wundern? Wenn nur noch wenige daran glauben: Christus wurde von der Jungfrau Maria geboren. Und Josef war nicht der leibliche Vater. Nur so, wie ein Professor als Doktorvater auch nicht leiblicher Vater eines Wissenschaftlers ist.

Warum glauben nur noch 11 Prozent jener Katholiken, die nur bei Familienfeiern oder gar nicht zum Gottesdienst gehen daran? Nur 21 Prozent allen Protestanten. Und nur noch 29 Prozent aller Katholiken? Nur 34 Prozent jener Katholiken, die nur an besonderen Feiertagen in die Kirche gehen? Nur 46 Prozent derjenigen Katholiken, die mindestens einmal im Monat in die Kirche gehen. Und nur 67 Prozent der Katholiken, die jeden oder fast jeden Sonntag zur Messe gehen.

Bei den treuesten Katholiken ist jedoch auch zu vermuten: Sie glauben nur noch daran, weil ihre Priester auch noch daran glauben. Aber würden sie für diesen Kinderglauben auch Verfolgung auf sich nehmen? Wie es die ersten Christen taten? Warum glaubten jene noch so bedingungslos daran, dass Christus von einer Jungfrau geboren wurde. Und dass Josef nicht sein leiblicher Vater war?!

Sie wussten um das Geheimnis der Wiedergeburt, besser der Neugeburt. Sie hatten erfahren: Jeder Mann, auch eine Frau, und erst recht eine Jungfrau kann Gottes intelligente Geschöpfe durch ein außerordentliches, emotionales Erlebnis in ein neues Leben führen.

Dass sie daran festhielten, dass Christus von einer Jungfrau geboren wurde, obwohl sehr früh im Christentum die Tatsache der Wiedergeburt verloren ging – sogar der Evangelist Lukas war wohl schon nicht mehr eingeweiht – , ist für uns gleichsam der Beweis: Jesus kam nicht als fertiger Gott auf die Erde. Er hat sich erst dazu entwickelt. Das erwartet Gott auch von uns. Die ersten Christen haben sich deshalb nicht mehr für seine leiblichen Eltern interessiert. Sie verachteten sie geradezu, weil sie Jesus nicht verstanden haben.

Im letzten Jahr bat ich Sie darum, einmal darüber nachzudenken. Wie Maria das wohl fertig brachte. Jemand, der selbst noch nicht wiedergeboren wurde, kann sich das leider schlecht vorstellen. Wenn ein Mensch gleichsam wie ein Elektron von der normalen Bahn auf eine höhere Ebene geworfen wird. Tat sie es vielleicht durch nur ein einziges mit Spannung geladenem Wort? Etwa “nein” oder “niemals”?

Ein solches Wort kann einen Mann; und Jesus war ein Mann, schon in höchstem Maße irritieren. Ihn dazu in die Lage zu bringen: Den geplanten Weg zu verlassen. Sondern einen bitter notwendigen Weg einzuschlagen. Auch, wenn am Ende des Weges der bittere Kelch des Todes auf ihn wartet.

Ich kann mir das deshalb so gut vorstellen, weil ich vor fast drei Jahren durch ein solches Wort einer Jungfrau in ein neues Leben gepresst wurde. Was nicht ohne Schmerzen vor sich ging. Ich kann mir auch gut vorstellen: Die Schmerzen des Gotthilft von Nazareth am Kreuz von Golgatha war ein kleines Wehwehchen gegenüber den Schmerzen, die er durch seine Geburt in ein neues Leben erleiden musste.

Es mag eine gewagte Hypothese sein, dass die Leitung der katholischen Kirche vielleicht deshalb gegen fast jegliche Empfängnisverhütung ist, weil es andernfalls den jungen Christinnen weniger schwer fallen würde, nein zu sagen. Sollte Jesus durch ein einziges oder durch ein mehrmals ausgesprochenes Wort einer Jungfrau in ein neues Leben befördert worden sein, so kann jedoch nicht die Regel aufgestellt worden sein: Dies ist der einzig mögliche Weg. Jedoch kann die Behauptung aufgestellt werden: Die Tugendhaftigkeit der Frauen ist die Vorbedingung der Männer in die Nachfolge Christi.

Die Frage, ob eine Frau ebenfalls in die Nachfolge Christi eintreten kann, verneinen leider zu viele Männer. Die katholische Kirche eröffnete vielleicht deshalb den Frauen eine Nachfolge Mariens durch das Dogma der Aufnahme Marias in den Himmel bzw. der leiblichen Auferstehung, gegen das viele Protestanten Sturm laufen.

Hinter dem Dogma steht jedoch wohl nicht mehr als hinter dem Dogma der Auferstehung Christi. Jesus sagte vor seinem Tod. “Wenn ihr zu zweit oder dritt in meinem Namen (Gott hilft) versammelt seid, so bin ich mitten unter euch. Es dauerte drei Tage, bis Jesu Jünger den Tod ihres Meisters am Kreuz überwunden hatten. Dann wussten sie: Durch Brot und Wein des Abendmahles ist er leibhaftig in ihnen und bei ihnen.

Dadurch gestärkt überließen sie Gott bereitwillig ihre Arme und handelten in seinem Namen. Der Name “Gott hilft”, der für sie zum Programm wurde, hinderte sie daran, hinter jedem Schicksalsschlag eine Strafe Gottes zu sehen. Die gehorsam hinzunehmen sei, wie der Priester es tat, der an dem überfallenen Kaufmann vorbei ging.

Die Christen (übersetzt “die Prokuristen Gottes”) entschieden sich dann für den liebevollen Eingriff, der ihnen durch die Worte Jesu vom barmherzigen Samariter vorgemacht worden war. Sie hatten dann keine Angst mehr davor, irrtümlich der Blutrache anheim zufallen, weil das Blut eines Erschlagenen an ihren Händen klebte. Und sie dabei auf frischer Tat ertappt waren. Die Juden hatten diese alte Einstellung aus ägyptischem bzw. arabischem Recht übernommen. Und sie dann auf ihren strafenden Gott übertragen.

Gotthilft von Nazareth glaubte nicht an den strafenden Gott. Sondern an den Gott, der hilft. Sein Name hatte ihm das gesagt. Dieser Name, diese Idee, diese geistige Revolution, lief dann auch als frohe Botschaft in die böse Welt. Um die ganze Erde herum. Die Nachfolge Jesu bedeutete für die Menschen, den Namen Jeschua (Jahwe hilft) für das eigene Leben zum Programm zu erheben. Die Nachfolge Mariens würde bedeuten, dafür zu sorgen: Dass mehr Männer den Weg zu Gott finden. Sind doch die Frauen schon von Natur her auf dem Weg der Hilfsbereitschaft.

Für das Überleben unserer Menschheit ist es dringend erforderlich geworden: Wir Christen sollten uns auf unsere alten Werte besinnen. Wenn man daran denkt: Wie wenige von uns allen sich an die Regeln Christi halten, weil die Führer des Staates ihr Licht unter den Scheffel stellen. Da kann einem bei all den Zerstörungspotentialen Angst und Bange werden. Nehmen wir als Beispiel nur den Mantel, der mit dem geteilt werden soll, der keinen hat.

Manche halten Christus für so kindlich weltfremd, dass sie meinen: Jesus habe den Stoffmantel gemeint. Er will jedoch die Hälfte dessen, was wir an finanziellen Mitteln über haben. Den Geldmantel, unsere jährlichen Ersparnisse. In diesem Jahr waren es wieder 16 Prozent unserer Einkommen.

Wenn alle Bundesbürger in der Nachfolge wären, hätten dann wohl Finanzmittel in Höhe von acht Prozent des Volksreichtums in die Teller der verhungernden Kinder unserer Erde fließen müssen. Wenn jeder hinter Jesus her wäre, hätten es 0,8 Prozent sein müssen. Wenn jeder Hundertste auf dem Weg zu Gott wäre, 0,08 Prozent. Es waren jedoch nur 0,017 Prozent des Volksreichtums, der, wenn auch in über 100 Millionenhöhe auf die Konten von Brot für die Welt und Misereor, die beiden großen weltweiten kirchlichen Hilfsorganisationen, geflossen sind.

Jesus spricht im Weltgericht: “Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Und: Was ihr einem von diesen Geringsten da nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.” Christen in der Bundesrepublik Deutschland berauschen sich auch dieses Jahr wieder an den Millionenspenden, wenn Jesus für seine Geringsten wieder um Milliarden bittet. Auch dieses Jahr ließen wir wieder 15 Millionen Kinder verhungern. Wenn weiterhin 99,8 Prozent der Bundesbürger sagen: “Was kann ich allein dagegen tun?”, wird sich nichts daran ändern.

Jesu Wort vom Nadelöhr, durch das die Reichen nicht kommen, bewahrheitet sich dann auf tragische Weise in einer Zeit, in der die Menschheit ihren Reichtum mit Atomwaffen beschützt und sich damit selbst zum Tode verurteilt. Aber es wird wohl dazu kommen: Christus zwingt uns zum Glauben. Wie er es am ungläubigen Thomas getan hat. Viele Millionen Christen glauben noch an die Auferstehung der Toten. Sie warten darauf: Jesus Christus selbst erweckt alle Karteileichen der Kirchen zu neuem Leben. Er weckt sie auf und richtet sie zu Gott hin auf.

Für uns im Jugenddorf kommt es darauf an: Unser Haus für Jungen und Mädchen ist viel mehr als eine Futterkrippe. Wenn wir alle an den Namen Christi glauben, wird der Tag kommen, an dem Friede herrscht. Weil dann kein Kind mehr verhungert. Jesus und seiner göttlichen Mutter Maria, die für uns alle Verzicht leisteten, gebührt unser aller Erwachsenen Dank.

Euer Hans-Jürgen Ahlers

PS: Das englische Wort adventure, das die Bedeutung von Abenteuer, Spekulation und Risiko hat, und in dem das Wort advent gleich Ankunft enthalten ist, sagt viel über das aus, was ich Ihnen hier geschrieben habe. Für mich ist es sicherlich ein Abenteuer. Ich hoffe jedoch, dass man mich nicht für einen adventurer gleich Hochstapler hält.

PS nach 31 Jahren: Die Finanzspekulanten haben uns alle an den Abgrund getrieben. Wer mit seinen Zahlen beim Lotto wettet, muss insgesamt 50 Prozent an Staat und Gewinner abgeben. Rechnet einmal: Wenn fünf Millionen um sechs richtige Zahlen wetten. Und einer gewinnt jede Woche. Dann muss jener mit dem größten Pech fünf Millionen Wochen warten. Wie viele Jahre sind das? 96 000 ! Wie oft muss man von der ersten Woche bis zur letzten im 80. Lebensjahr auf seine Zahlen wetten? Man muss 1 200 mal wieder geboren werden und sterben. Wie viel leichter ist es gerade jetzt Ende August 2011, wo die Aktien so billig sind, viel sicherer etwas zu gewinnen. Und das noch ohne Spekulationssteuer.

Das ist das eigentliche Drama von € und $. Die am auf und ab von Waren und materiellen Werten sehr viel Geld verdienen, werden verschont, weil: Geld regiert die Welt. Wie lange lassen wir uns als Volk, die unteren 99 Prozent, uns das noch gefallen? Wir müssen doch nicht dumm bleiben.


Aug 21, 15:13

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