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Zehn Fundamente für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt (4/2010)

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Zusammenfassung des Ahlers-Buches “Zehn Fundamente für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt”
Zwölf Wege aus der Arbeitslosigkeit, 1988, 279 Seiten

Teil I: Zehn Fundamente für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt

1. Konsum: Der Konsum des Einen ist die Arbeit des Anderen. Obwohl wir in einer Konsumgesellschaft leben, wird diese Selbstverständlichkeit zu wenig beachtet. Die Volkswirtschaften werden nicht durch gemachte Gesetze, sondern durch natürliche Gesetze gesteuert. Arbeitslosigkeit ist ein automatischer Regulator der Sparquote bzw. der Konsumquote (besser Geldausgabequote) aller privaten Haushalte.

2. Investitionen: Der Masse des deutschen Volkes geht es heute durch den technischen Fortschritt besser als den Adligen in vergangenen Jahrhunderten. Der Massenwohl­stand ist nur möglich, weil wir Maschinen ausbeuten. Zuerst müssen sie jedoch erworben, investiert werden. Geld muss gespart werden. Aber wer soll sparen? Unternehmer aus Gewinnen oder private Haushalte vom Lohn?

3. Gewinne. Für jeden, der ein Haus gebaut hat, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass es ein Unterschied ist, ob das Haus durch einen Lottogewinn oder per Kredit finanziert wurde. Für Unternehmer ist es wichtig, dass sie riskante Investitionen aus Gewinnen investieren können. Wenn sie zu viel per Kredit finanzieren müssen, steigt die Wahrscheinlichkeit der Arbeitslosigkeit durch Konkurse.

4. Geldsystem: Gutes Geld wird heute als selbstverständlich gehalten. Stabile Währungen helfen beim Welthandel, fördern das Vertrauen in die Volkswirtschaften. Absolute Preisstabilität ist jedoch nicht wünschenswert, weil Maschinenarbeit den Preis drücken soll. Eine gesteuerte und gewollte Geldentwertung hilft dabei, die DM beim Rollen zu halten.

5. Arbeits- und Sozialstaat: Regierungen sind gut beraten, wenn sie dafür sorgen, dass alle, die arbeiten wollen und können, eine Beschäftigung finden. Geld fürs Nichtstun sollten nur jene bekommen, die nicht arbeiten können. Der Sozialstaat sorgt dafür, dass die Bevölkerung nicht zu sparen kann, aber auch nicht zu viel sparen muss.

6. Globale Konsumregulierung: Regierungen im Westen Europas haben die Sozialgesetze von Bismarck geerbt und ausgebaut. Die Staatsquote hat jedoch eine Höhe erreicht, die kontraproduktiv ist. Dieses Hauptfundament des Wohlstandes muss durch freiwillige Komponenten ergänzt werden. Mehr Familien sollten sich über private Hausschulden „Geldarm“ machen.

7. Risikobereite Unternehmer: Heute kommen auf einen Unternehmer 11 Mitarbeiter. Einer mehr und wir könnten das Problem Arbeitslosigkeit vergessen. Für zwei Millionen Unternehmen ist es aber zu riskant, zwei Millionen Arbeitslose einzustellen, weil die Regierung das Geldsparen, also den Konsumstreik, als positiv bewertet. Deshalb fehlen Gewinne für ausreichend Arbeitsplätze.

8. Historische Grundlagen: Der Wohlstand ist in Europa größer als in Afrika, weil wir mehr Infrastruktur angesammelt haben. Wir haben ein altes Schul- und Universitätssystem sowie moderne technische Hochschulen. Aus dem 2. Weltkrieg müssen wir noch mehr lernen. Danach gab es ein ökonomisches Wunder, weil die Gewinne sehr hoch waren, weil die Konsumenten sehr wenig sparen konnten.

9. Lernfähige Menschen: Der wichtigste Rohstoff der Exportnation Deutschland sind unsere Ingenieure. Sind ihre Maschinen besser, werden sie gut bezahlt. Die Löhne der Arbeiter in den Exportfirmen überträgt sich auf fast alle Inländer. Deshalb verdienen Ärzte und Friseure bei uns mehr als in anderen Ländern. Wer in der Schule aufpasst, verdient später mehr Geld.

10. Optimismus: Hoffnung ist der beste Motor. Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Regierungen sind gut beraten, wenn sie Hoffnung verbreiten. Als Helmut Kohl Kanzler wurde, sank die Sparquote von 15 auf 13 %, weil sich viele verschuldeten. Die Wirtschaft hatte dadurch jährlich 40 Milliarden DM mehr Gewinne und schaffte dadurch zweimal hintereinander 300 000 zusätzliche Arbeitsplätze.

II. Zwölf Wege aus der Arbeitslosigkeit

1. Verschenke, was du übrig hast: Dieses Rezept zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit stammt von Gotthilft von Nazareth, genannt Jesus von Christen und Isa von Muslimen. Daher ist es das Christlichste. Das Geld, welches Eltern ihren Kindern schenken, ist im Wirtschaftskreislauf. Das Geld, welches Großeltern für ihre Enkelkinder sparen, macht ihre Kinder arbeitslos und macht ihren Enkelkindern Angst.

2. Sozialabzüge: Unser Sozialstaat ist ein Erbe unserer Großväter. Wir sollten es bewahren. Wenn wir heute real zehn mal mehr verdienen als unsere Eltern nach dem Krieg, haben wir das den Maschinen zu verdanken. Dass Unternehmer sie kaufen konnten, verdanken wir dem Sozialstaat. Wenn die DM nicht rollt, sinkt unser Wohlstand.

3. Steuern: Wir jammern um das Geld, welches uns der Staat weg nimmt. Dabei gäbe es dieses Geld nicht, wenn er es uns nicht wegnehmen würde. Weil der Staat für uns sorgt; Schulen, Gerichte, Feuerwehr, Polizei und Gefängnisse finanziert, brauchen wir nicht sparen. Ein Volk kann niemals mehr 15 % sparen. Für diese Grenze sorgen die Arbeitslosen, leider seit 1974.

4. Private Schulden: Hausbauer haben einen großen Anteil am allgemeinen Wohlstand. Wenn sie Schulden haben, können sie nicht sparen. Nun lebt die Hälfte des Volkes im Eigenheim, die meisten Schulden sind abgezahlt. Wenn gespart wird, muss jemand Schulden machen. Wer soll Schulden machen? Mexiko oder unser Finanzminister?

5. Zinsquellensteuer: Die Einnahmen daraus sind nicht so wichtig. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit, dass nicht nur die Lohnsteuer an der Quelle erfasst wird. Diese Steuer ist vielmehr eine Strafe für das Geldsparen. Wenn diese Steuer dazu führt, dass weniger gespart wird, steigen die Gewinnsteuern und die jetzt Arbeitslosen zahlen Lohnsteuer.

6. Urlaub: Immer mehr Menschen gewöhnen sich an den Urlaub, die Zeit der Freiheit und des fröhlichen Konsumierens. Früher hieß es: Die Deutschen leben, um zu arbeiten. In den letzten Jahrzehnten haben wir viel von den Franzosen gelernt. Zu ihnen sagten wir: Die arbeiten, um leben zu können. Immer mehr Stunden des Jahres arbeiten wir für den Urlaub.

7. Alterspflegeversicherung: Das Geld, welches wir der Arbeitslosenversicherung geben, ist besser bei einer neuen Alterspflege- und Einkommensversicherung aufgehoben. Viele alte Leute sparen für die Zeit der Gebrechlichkeit und verursachen damit die Arbeitslosigkeit von Menschen, die sie pflegen könnten.

8. Kinder: Wer Kinder hat, der weiß, dass das Geld, das er für seine Kinder ausgegeben hat, nicht mehr sparen kann. Als es die Pille noch nicht gab, hatten wir mehr Kinder. Mütter werden für ihre Kinder bestraft. Finanzierbar ist ein Autokreditgeld für Mütter: Bis ans Lebensende alle vier Jahre 10 000 DM, wenn die Familie 20 000 DM Kredit für Haus oder Auto aufnimmt, finanziert über 50 Milliarden DM Gewinnsteuern.

9. Zinsverzicht: Ähnlich wie beim Bausparen könnten die Sparer auf einen Realzins verzichten, wenn der Zins der Inflationsrate entspricht. Dieser Zins sollte von der Quellensteuer befreit werden. Wer real zinslos spart, sollte für Kredite nur eine Vermittlungsgebühr bezahlen und natürlich die Geldentwertung ausgleichen. Der Mut zum Verschulden würde steigen.

10. Kommunismus?: Die Wirtschaft des Ostens ist sicherlich eine enorme Abschreckung, ihn auszuführen; jedenfalls die östliche Variante. Die westliche Variante ist der überschäumende Sozialstaat. Wir können ihn uns finanziell leisten. Ob wir ihn uns aber menschlich leisten können, ist eine andere Frage. Geld fürs Nichtstun ist eine gefährliche Sache. Ebenso für reiche wie für arme Menschen.

11. Akzeptierte Armut?: Wir können uns mit der Armut der Arbeitslosen abfinden. Sagen, dass sie nicht arbeiten wollen. Aber warum ist die Faulheit in Ostfriesland größer als in Stuttgart? In Süddeutschland gibt es mehr offene Stellen. Vielleicht, weil die Architekten dort größere Häuser bauen, die mehr Schulden verursachen.

12. Krieg oder Friede?: Die Aufrüstung vor dem letzten Krieg hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland beseitigt. Nach dem Krieg wurden fast alle Flüchtlinge in Arbeit vermittelt, weil der Krieg für allgemeine Armut gesorgt hatte. Regierungen können ihre Völker nur reicher machen, wenn sie diese auf intelligente Weise geldarm machen. Das können sie klug oder dumm anstellen.

Schlussbetrachtung: Es gibt ein Patentrezept gegen die Arbeitslosigkeit, nämlich Klugheit. Regierungen sollten ihrem gesunden Menschenverstand folgen, nämlich anerkennen, dass die Konsumquote (Seit vielen Jahren benutze ich lieber den Begriff Geldausgabequote, weil Spenden an gemeinnützige Organisationen und Aktienkäufe kein Konsum sind.) eine statistische Größe ist, die beachtet und kontrolliert werden muss. Regierungen sollten die Konsumquote der privaten Haushalte drücken, nicht die Arbeitslosen.

2005: Von 1989 bis heute ist es mir nicht gelungen, unsere Politiker klüger werden zu lassen. Sie haben den Geldkrieg der Reichen und Arbeitsbesitzer gegen Arme und Arbeitslose nicht beendet. Vielleicht deshalb, weil es ihnen zu gut geht. Unser Bundeskanzler bekommt keinen € mehr Gehalt, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt. Seit 2004 haben wir in Deutschland den 2. dreißigjährigen Krieg.

Mehr offene Stellen als Arbeitslose gab es zuletzt 1973, meinem letzten Studienjahr der Volkswirtschaftslehre (VWL). Mein erster Professor an der Technischen Universität, Dr. Claus Köhler, schrieb uns Studenten im Sommersemester 1968 in seiner Vorlesung „Geld, Kredit, Liquidität“ die Spardaten der privaten Haushalte von 1950 bis 1967 an die Tafel. Am Ende der Vorlesung fragte er uns: „Wo führt das einmal hin?“ Im Hinausgehen aus der Saal sagte er leise zu seinem Assistenten Lothar Hübl: „Ich verstehe nicht, dass meine Kollegen immer noch nicht gelernt haben, dass die privaten Haushalte nicht sparen müssen, damit die Unternehmen investieren können. Denn wenn die einen nicht sparen, sparen die anderen über die Gewinne. Das nennen wir Eigenfinanzierung.“

Ich dachte damals sofort an den Krähensatz: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Es gelang mir in den vier folgenden Studienjahren an der Universität Kiel nicht, meine dortigen Professoren einsichtiger zu machen. Durch die Lehrfreiheit des Grundgesetzes bestanden sie auf ihrer Narrenfreiheit. Artikel 5 GG (3, Satz 2) lautet jedoch: „Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“. Und in Artikel 12 GG steht: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“

Seit 1974 gibt es die freie Wahl des Arbeitsplatzes nicht mehr. Köhler war während meiner Studienzeit Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Er lieferte der Bundesregierung fünf Minderheitengutachten ab. Danach wurde er Mitglied des Präsidiums der Deutschen Bundesbank. Hübl erbte seinen Lehrstuhl. In der letzten Zeit waren führende SPD-Mitglieder dabei, Grundsätze der SPD (Gerechtigkeit, Solidarität) zu verraten, weil sie keinen Durchblick haben. Millionen Menschen werden bestohlen und gedemütigt. Angeblich, weil überall Geld fehlt. Es wird den Armen genommen und den Reichen gegeben.

Und CDU und CSU schauen zu und verraten ihre christliche Basis. Ich schrieb das Buch vor der Vereinigung. Dass die DDR bankrott war und wegen des Grundgesetzes ein Recht auf Wiedervereinigung hatte, war mir klar. Vielleicht war ich der einzige Deutsche, der fest mit der Wiedervereinigung rechnete. Die Unwissenheit der Bonner Bürokraten und Politiker war mir ein Graus. Führenden Fachleuten war unbekannt, warum die Ost-Mark fast wertlos war. Es lag am DDR-Steuer- und Subventionssystem, nicht an angeblich zu viel gedruckten Banknoten.


Aug 16, 09:37

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