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Warum ist die Arbeitslosigkeit zu hoch? (8/2010)

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Seit 1974 jammern wir über die zu hohe Millionenarbeitslosigkeit. Was läuft falsch in Deutschland? Was machen Politik und Wirtschaftswissenschaften falsch?

Was muss anders gemacht werden, damit der Artikel 12 Grundgesetz wieder eingehalten wird? Er verspricht uns u.a. die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Das ist aber theoretisch nur möglich, wenn es mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt.

Wie können wir alle zusammen eine Zeitreise ins Jahr 1973 gewinnen? In meinem letzten VWL-Studienjahr in Kiel gab es im kalten Februar in der damaligen Bundesrepublik Deutschland 569 958 offene Stellen für nur 347 053 Arbeitslose, also ca. 1,6 offene Stellen für einen Arbeitslosen. Die logische Konsequenz: Eine Arbeitslosenquote von nur 1,6 %.

Als der SPIEGEL 1975 beim Übersteigen der Millionengrenze der Arbeitslosigkeit titelte: “Regierung Schmidt ratlos”, holte ich im zweiten Jahr meiner Ausbildung zum Internatspädagogen im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) mein ökonomisches Wissen wieder aus der Studierkiste. Ich schrieb der SPIEGEL-Redaktion einen fünf seitigen Leserbrief; für jeden Redakteur ein Exemplar.

Danach schrieb ich in 35 Jahren über 15 000 Briefe an die Verantwortlichen in Deutschland. Ein Berliner Bettenfabrikant antwortete mir vor ca. 20 Jahren: “Herr Ahlers, Ihre Briefe an Politiker sind volkswirtschaftliche Verschwendung.” Danach schrieb ich fast die Hälfte meiner Briefe an Chefredakteure, Professoren, Kirchen-, Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter.

In den Anfangsjahren, als jeder Chef noch eine Sekretärin hatte, bekam ich auf ca. 90 % meiner Briefe eine Antwort. Heute sind es weniger als 10 %, weil überall die Sekretärinnen weg rationalisiert worden sind, weil die Chefs inzwischen selbst mit dem Computer arbeiten müssen, wenn sie ihren Arbeitsplatz behalten wollen. Nun habe ich mich doch entschieden, das weltweite Netz zu nutzen. Jahrelang musste ich befürchten, dass die Geheimdienste mir in den Computer schauen, wenn ich mit dem Internet arbeite. Vor wenigen Tagen (Anfang August 2010) habe ich mir ahlers-celle.de gegönnt. Mein freier Webdesigner leistet als Einmannfirma allerbeste Arbeit. Die Suchmaschinen haben leichte Arbeit mit unseren Arbeiten, weil er fehlerlos arbeitet. Geheimdienste und Verfassungsschützer sollten sich warm anziehen.

Das deutsche Volk ist doch ein gebildetes Volk. Warum war es über so viele Jahre unfähig, das Problem Arbeitslosigkeit zu lösen? Es liegt am Geld. Kaufleute müssen wissen, was Soll und Haben sind. Ich frage jeden gern: “Wenn Sie Frau Merkel wären, wer sollte dann 3,3 Billionen € Schulden haben, weil wir alle zusammen 3,3 Billionen € Geldsicherheit angespart haben?” Entscheiden Sie mal bitte!

Wir dummen Wähler haben in den letzten 35 Jahren unseren korrupten Politikern erlaubt, 51 % unserer Geldersparnisse (ohne Aktienwerte) zu Staatsschulden zu machen. Daten der Deutschen Bundesbank aus dem Monatsbericht vom Mai 2010 für das Jahr 2009: Bargeld und Einlagen sowie Geldmarktpapiere sowie Rentenwerte der privaten Haushalte: 2,1517 Billionen €. Ansprüche gegenüber Versicherungen: 1, 2953 Billionen €, macht zusammen 3,447 Billionen €.

Der Schuldenstand von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen betrug Ende 2009 1, 7622 Billionen €. 1,7622 / 3,447 × 100 = 51,1227154 %. Das Problem mit den Billionen-Zahlen ist, dass Nichtvolkswirte sich diese Summen nicht vorstellen können. Ich übersetzte sie nach der deutschen Vereinigung, als wir alle zusammen 4 Billionen DM Geld und Schulden hatten, so: Wie hoch ist der deutsche Geldturm im 10 DM-Banknoten gestapelt? Ich brauchte für meine Internatsjungen jeden Freitag 1 000 DM in 10 DM-Scheinen und 1 000 DM in Münzen von der Buchhaltung, damit ich ihnen Taschen- und Fahrgeld auszahlen konnte. Habe mit einem Zollstock mal gemessen, wie dick hundert 10 DM-Scheine sind; ein Zentimeter. Mein Rechner sagte mir: 4 Billionen DM sind 40 000 km dick, um schnüren also unsere Erde. Ich ließ einmal im Jahr meine Jungen schätzen. Der Gewinner war oft der Mount Everest-Rater.

Heute muss ich in 5 €-Banknoten denken. In wenigen Jahren gehen zwei 10 €-Türme (Geld und Schulden) um unsere Erde. Warum waren wir so dumm, doppelt so viel Geldsicherheit anzusparen, als die Soziale Marktwirtschaft vertragen konnte. Weil wir Menschen sind. Wir lieben das Geld. Die Schulden sollen die Anderen haben. Das deutsche Wort “Geld-Schulden” ist verwandt mit dem Wort “Schuld” vor Gericht. Die Pflichtverteidiger vor Gericht reden den Angeklagten mit unseren Steuergeldern ein, sie seien unschuldig. Der psychologische Abwehrmechanismus lässt uns Menschen die Schuld leugnen.

Wenn es in meiner Jungengruppe zu einem Kameradendiebstahl kam, konnte ich an der Nase sehen, wer der Dieb war. Er war es natürlich nicht. Wenn ich ihn fragte: “War es dein Zwillingsbruder?”, antwortete er mit ja. Ich gründete damals eine Gruppen-Sparkasse. In einem Oktavheft hatte jeder Junge eine Doppelseite. Da wurde ihr Spargeld eingetragen. Wenn sie nach Hause zu den Eltern wollten, wurde ihr Geld ausgezahlt; natürlich ohne Zinsen.

Es ist ja sehr richtig, dass Kinder lernen, sparsam mit ihrem Geld umzugehen. Wenn aber wir Erwachsenen zu viel Geldsicherheit ansparen und deshalb 3,2 Millionen Arbeitslose und noch viel mehr Hartz IV-Empfänger als Strafe mitschleppen müssen, sollten wir an unserem Verstand zweifeln. Oder an dem der Regierung. Habe schon vor über 15 Jahren ein Bundes-Gesetz gefordert, dass wir ähnlich wie vor dem Rauchen vor dem zu vielen Geldsparen gewarnt werden müssen. Die werbende Wirtschaft würde gern auf 3 % der Werbefläche am Straßenrand oder in den Zeitungen verzichten. Denn eine gedrückte Sparquote bewirkt sehr viele zusätzliche Betriebsgewinne in Milliardenhöhe.

Unsere Staatsschulden kosteten uns Steuerzahler 2008 68 Milliarden € Staatsschuldzinsen. Wieder eine unvorstellbare Summe. Ich übersetze sie gern so: Die Summe aller Kindergelder für alle Mütter und Väter betrug 2007 33,7 Milliarden €. Jeder Schüler kann im Kopf ausrechnen: Die Staatsschuldzinsen kosten uns Steuerzahler doppelt so viel Geld wie alle Kindergelder. Beides sind volkswirtschaftliche Subventionen. Kindergelder sind eine gute Geldanlage für unser Volk. Die Staatsschuldzinsen sind eine Subvention an die Verursacher der Millionenarbeitslosigkeit: Geldsparer, Politik- und Banksystem.

Warum stand das noch niemals in einer Zeitung? Fast alle kennen diesen Spruch: “Geld regiert die Welt.” Aber wie? Wir vernünftigen Wähler könnten ja diesen Vorschlag machen: “Alle in Deutschland müssen die Hälfte ihrer Geldersparnisse dem Staat zinsfrei geben.” Dann hätten die 68 Milliarden € Staatsschuldzinsen von 2008 für Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Altersheime oder dreifaches Kindergeld ausgegeben werden können. Ein schöner Traum, der aber sofort platzt. Denn wenn das gemacht würde, wäre das gesamte Banksystem am nächsten Tag bankrott. Ich schreibe Ihnen das nur, damit Sie wissen: Das Banksystem wurde nach der Finanzblase nicht nur gerettet, es bekommt jedes Jahr Dauersubventionen in Höhe von über dem Doppelten aller Kindergelder.

Jetzt wissen Sie besser, weshalb es in Deutschland so wenige Kinder gibt. Zum Schluss noch ein Spaß. Ich frage Sie: Was ist wichtiger, Sonne oder Mond? Antworten Sie bitte einmal mit Sonne. Ich: “Total falsch, der Mond ist wichtiger. Denn am Tag ist es doch sowieso hell. Denn Gott hat am ersten Tag das Licht geschaffen. Und erst am vierten Tag Sonne, Mond und Sterne als Lampen am Himmel, damit wir Menschen Tag und Nacht unterscheiden können.” Wer das in Religion sagt, bekommt eine zwei, weil das im Alten Testament steht. Wer das in Physik sagt, bekommt eine sechs und bleibt sitzen.

Vergleichen Sie bitte die Betriebs-Gewinne mit der Sonne und die Lohnnebenkosten mit dem Mond. Wenn Sie von einem BWL´er oder Politiker hören, die Lohnnebenkosten seien die Ursache des Problems, wissen Sie: “Der lebt hinter dem Mond.” Warum lernen BWL-Studenten nicht, wie viel wichtiger Betriebsgewinne sind als Löhne und Lohnnebenkosten? Weil ihre Professoren unkündbare Beamte sind und sich nicht an die Artikel 5 und 12 Grundgesetz halten, obwohl sie als Beamte einen Eid darauf leisten mussten! Weil sie nicht arbeitslos werden können, haben sie nicht die geringste Motivation zum Umdenken.

Meinen VWL-Professor Dr. Claus Köhler an der TU Hannover habe ich sehr geschätzt, weil er als Doktor ein paar Jahre in einem Bankvorstand gearbeitet hat. Sie werden sich fragen, wie ich zum Fehlersucher in Politik und Wissenschaft wurde. Lesen Sie bitte in der PDF-Datei, wie ich als 15jähriger vor dem Abitur meine Mutter zur besten Lehrerin Deutschlands machte.


Aug 16, 20:03

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Kommentare

  1. Herr H-J Ahlers, meine Antwort auf obige Frage: “Diese Arbeitslosigkeit ist gewollt und diktiert!”
    Hintergrund in einem Wort “Bilderberger”.

    In Deutschöland würde es sich nach außen recht schlechtmachen menschen wieder in Gethos zu stecken, so greift man zu anderen Mitteln mit dem gleichen Resultat.

    Als Ernährungsberater kannich beweisen, dass eine die Gesundheit erhaltende Ernährung nicht mit € 364,- für den Single nach Kosten f. Stom, Fon/Intermnet (ohne ist die Pflichtbewerbung unmöglich) Kleidung, Waschen, Reinigung, Nebenkostennachzahlung v. Whg. etc. unmöglich ist. Daraus resultiert eine Kostenverlagerung in die KV und gezielte Lebensverkürzung. Diese als “Gesellschaftschädlinge” angesehene Gruppe wird über diese Ausgrenzungen in einen zeitlich gedehnten Holocaust getrieben. In einer Discouternährung sind nur Nährmittel mit reichlich E-Stoffen möglich, LEBENSmittel sind aus pekunären Gründen unerreichbar.

    in Harmonie

    Wolf Henrichs, E.-W.-Nay-Str.3, 50354 Hürth (Köln) 02233 70 64 719

    — Wolf Henrichs · Mai 29, 16:46 · #

  2. Willkommen Herr Neoklassiker, willkommen in der Welt es gibt keine Arbeitslose, wie kann jemand der sich schimpft VWL studiert zu haben so geringe Zusammenhänge von der VWL zu haben.

    Sparen verursacht zwingend eine Nachfrage. Kurzum, wenn sich an der Investitionsbereitschaft nichts ändert, wird eine Gesellschaft durch Sparanstrengungen ärmer. Was passiert jetzt wenn Deutschland die Sparanstrengungen nicht ausgeglichen hätte? Das BIP wäre gesunken, die Menschen hätten weniger verdient, die Arbeitslosigkeit wäre zwingend gestiegen weil auch die Konsumfähigkeit der Gesellschaft sich reduziert hätte, es gibt also weniger Nachfrage nach Gütern, weil Sie ja in der Neoklassik leben verkaufen sie natürlich trotzdem alle produzierten Güter, sie haben ja schlisslich auch Vollbeschäftigung, herzlichen Glückwunsch.

    Ihre Argumentation ist immer die gleiche, die bösen Griechen, die bösen Deutschen, die bösen Politiker. Wer finanziert den Exportüberschuss der Deutschen? Griechen durch einen Importüberschuss, wer finanziert den Urlaub der Deutschen in Griechenland, wer sorgt dafür, dass die Kultur dort erhalten wird? Griechenland, wo hat Griechenland seine diplomatischen Vertretungen? Wo hat das deutlich grössere Deutsche ihre diplomatischen Vertretungen?

    Ich empfehle Ihnen bevor sie hier weiterschreiben alles als böse darzustellen ersteinmal Keynes, eine realistische Betrachtung der VWL, dort erhalten Sie auch arbeitslosigkeit als logische Folge… viel spass

    Ach und ich bin froh, dass ich richtig studiere und nicht bei Ihnen

    — Sören · Jan 23, 22:31 · #

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