Suche

Kleine Wirtschafts- und Finanz-Kunde für Guido (122/2013)

Kategorie: ,

Wirtschaft und Finanzen sind eigentlich ganz einfach zu verstehen. Professoren lieben es aber, so kompliziert wie möglich zu formulieren, damit das Volk nur noch Bahnhof verstehen kann, einschließlich Politikern.

Das Volk weiß: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Warum tobt in Deutschland seit 1974 der Geldkrieg der oberen 50 % gegen die unteren 50 %? Warum gibt es seitdem Millionen Arbeitslose, die sehr schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben? Warum kam es zur €-Krise? Warum besitzen die unteren 50 % nach dem Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierug nur 1 % der Vermögen? Warum liegt meine SPD in Umfragen bei 23 %?

Die 150 Jahre alte Arbeiterpartei SPD ist zur Beamten-Partei geworden. Und weil Beamte nicht arbeitslos werden können und z.B. als Lehrer sehr gut verdienen, haben unsere Politiker keinen persönlichen Antrieb, ernsthaft darüber nachzudenken: Wie konnte es dazu kommen, dass die Schere zwischen Reich und Arm so groß wurde? Hauptgrund ist: Die meisten Menschen wissen sehr gut, was sie mit Geld machen können; es ausgeben oder sparen.

Aber nur wenige Menschen wissen, was Geld ist. Nämlich auf der anderen Seite der volkswirtschaftlichen Bilanz Schulden. Ende 2011 hatten die privaten deutschen Haushalte 3 567,6 Milliarden € Geld auf der Hohen Kante. Nach Adam Riese oder Soll und Haben musste es deshalb auch 3 567,6 Milliarden € Schulden geben. 58,54 % waren davon die Schulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen: 2 088,5 Milliarden € (Zahlen aus dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2012, Seiten 53/54*).

Unsere Bundesbank veröffentlicht seit vielen Jahrzehnten monatlich die sehr informativen Saisonbereinigten Wirtschaftszahlen, Statistisches Beiheft 4 zum Monatsbericht. Ich lasse mir die seit den ersten VWL-Studenten-Tagen an der TU Hannover im Jahr 1968 von der Bundesbank auf Papier schenken. Mein erster Blick gilt monatlich der Sparquote auf der Seite 23 und der Zahl der Arbeitslosen und der offenen Stellen auf der Seite 31. Seit 1966 konnte ich beobachten: Wenn die Sparquote steigt, sinkt die Zahl der offenen Stellen und die Zahl der Arbeitslosen steigt.

Bisher hat kein Kanzler und Minister das böse Spiel durchschaut. Es liegt wohl an dieser Volksweisheit: Geld regiert die Welt. Obwohl oder weil unsere Bevölkerung zu ca. 50 % aus Abiturienten besteht, können wir als Volk eigentlich nicht dumm sein. Aber warum sind wir so dumm und schleppen seit fast 40 Jahren Millionen Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger mit, was eigentlich nicht sein müsste? Wer wenig verdient, kann auch nur ganz wenig sparen und muss auch keine Einkommen-Steuer bezahlen. Wer viel Geld verdient, muss hohe Einkommen-Steuern bezahlen. Wer also viel Geld sparen kann, muss also unseren Sozialstaat finanzieren. Denn in unserem sozialen Deutschland darf niemand hungern oder erfrieren.

Erst im 3. VWL-Semester an der Uni Kiel fand ich 1969 im Statistischen Jahrbuch die Sparquote von 1950: 3,2 %. Unsere Eltern mussten damals 96,8 % ihres Nettoeinkommens für Nahrungsmittel, Miete und Kohlen ausgeben, wegen Hitlers Krieg. Diese Konsumquote ist ein dummer Begriff. Konsum ist seit den Grünen nämlich ein negativer Begriff. Wir sollten lieber von Geldausgabequote sprechen. Denn wenn wir Aktien kaufen oder Geld für “Brot für die Welt” spenden; ist das negativer Konsum? Geld auszugeben sollte positiv gesehen werden. Denn wenn wir Geld ausgeben, werden daraus Löhne, Steuern, Gewinne, Investitionen, neue Arbeitsplätze, ein positiver Kreislauf.

Wenn wir Geld sparen, nötigen wir das Banksystem dazu, Schuldner zu finden. Aus Geld werden dann Schulden, Konkurse, mehr Arbeitslose, ein negativer Kreislauf. Der Staat kann und darf uns freien Menschen nicht vorschreiben, was wir mit unserem Geld machen. Aber er kann uns mit Steuern und Sozialbeiträgen lenken. Denn alles Geld, was unser Sozialstaat uns wegnimmt und umverteilt, können wir nicht ausgeben oder sparen. Das ist die andere Seite der Münze Soziale Marktwirtschaft.

Sozialstaat bedeutet: Alte, Kranke, Arbeitslose und Behinderte dürfen nicht verhungern oder erfrieren. Auf diesen sozialen Fortschritt in Europa sollten wir sehr stolz sein. Auch darauf, dass es in Westeuropa seit über 60 Jahren keinen heißen Krieg mehr gegeben hat. Osteuropa kam teilweise durch einen Krieg zu uns, durch viel Blut. In der übrigen Welt wird noch zu viel gehungert. Warum? Wir Europäer lernen in der Schule immer noch nicht, warum es uns so gut geht. Natürlich auch deshalb, weil so viele Maschinen, Roboter und Computer für uns arbeiten. Dazu meine Rentner-Weisheit:

Ich wünsche allen Freunden und Feinden weiterhin viel Freude bei der Arbeit, denn dann macht sie mehr Spaß. Bitte weiterverschenken, kostet nichts, ist aber sehr gut für das Betriebsklima. Wir Menschen wollen schon als Kinder unabhängig von unseren Eltern werden. Arbeit macht frei ist von Adolf dem Schrecklichen verraten worden. Trotzdem bleibt das richtig. Meine Mutter machte mich als Kind stolz, wenn sie mich dafür lobte, dass ich ihr den Küchenschrank aufgeräumt oder das Bügeleisen repariert habe. Als Jugendlicher musste ich Steno lernen. Die Stenolehrerin war so dumm und sagte uns Jungen: Das ist ganz wichtig für Sekretärinnen. Ich wollte damals Pastor werden. Und bekam deshalb die erste 5 meines Lebens, weil ich keine Sekretärin werden wollte. Wenn sie gesagt hätte: “Wenn einer von Euch studieren möchte, könnt Ihr damit so schnell schreiben, wie die Professoren reden.”, hätte ich eine 1 bekommen. Die 5 musste ich meiner Lehrerin-Mutter zur Unterschrift vorlegen. Mein Kommentar dazu: “Die 5en gebt Ihr Lehrer Euch selber.”

Die einzige Frechheit meines Lebens kostete mich als Strafe: Ich musste jeden Freitag-Nachmittag die 40 Diktathefte der Schulkinder meiner Mutter auf Fehler absuchen. Diese Strafarbeit machte mich aber auch sehr stolz, weil ich mit dem roten Lehrer-Kugelschreiber meiner Mutter die Fehler unterstreichen und am Rand einen Strich machen durfte. Die Kinder schrieben unten automatisch: Fehler:, Schrift.:, Urteil: Als ich Fehler suchte, schlief meine Mutter in ihrem Füße-hoch-Sessel und dachte sich im Traum das Diktat der nächsten Woche aus. Danach brauchte sie nur meine Striche zählen und 120 Ziffern und ihr Kürzel schreiben. Wenn Du mehr wissen willst, diese pdf laden: Ahlers-Mutter-Schule.pdf

So jedenfalls wurde aus dem jugendlichen Fehlersucher Hans-Jürgen seine Website http://ahlers-celle.de/, die erste freie Internet-Uni weltweit. Zurück zum Wirtschaftswunder von Ludwig Erhard. Der hat das nie begriffen. Deshalb müssen Schüler und Studenten noch heute lernen: Es lag an seiner Preisfreigabe und den Marshall-Plan-Geldern. Natürlich ist das richtig, aber nur zu 10 %. Denn die 90 %-Ursache des deutschen Wirtschaftswunders nach dem 2. Weltkrieg war die Sparquote von 3,2 %. Weil das Volk deshalb nach Adam Riese 96,8 % des Geldes ausgeben musste, schwammen fast alle Unternehmen in Gewinnen. Die Brutto-Investitions-Quote betrug deshalb 27 %. Nach Abzug der Abschreibungen (10 %-Punkte-Finanzierung durch das Finanzamt) betrug die Netto-Investitions-Quote 17 %.

Wie war das bei einer Sparquote von 3,2 % möglich? Nur mit den vielen Gewinnen. Nach meinem Abitur studierte ich nicht Theologie für meinen Traumberuf Pastor, sondern wurde wie meine Klassenkameraden Z2-Soldat der Bundeswehr. Wurde Kanonier beim Artillerie-Battaillon 15 der 1. Brigade der 1. Division. Wenn wir mit dem Ausrichten unserer Geschütze zu langsam waren, rief uns unser Batterie-Offizier mit der Stoppuhr in der Hand zu: “Wenn die Russen kommen, sind wir die ersten Toten. Noch einmal.” Wir Abiturienten sahen das sportlich. Ich musste als A1-Beamter diesen Eid leisten: “Ich schwöre, die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.” Ich erfülle meinen Eid als danach studierter Volkswirt nicht mit G3, Pistole, Maschinen-Pistole, Maschinen-Gewehr, Handgranate, Panzerfaust, Artillerie-Lafette, Panzerhaubitze M109, sondern mit meinen Worten zum Grundgesetz (GG):

Der Artikel 12 GG lautet u.a.: “Alle Deutschen haben das Recht, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen.” Dieses sehr wichtige ökonomische Grundrecht wurde zuletzt in meinem letzen VWL-Studienjahr 1973 eingehalten. Damals gab es im kalten Februar 569 958 offene Arbeitsstellen für nur 347 053 Arbeitslose. Weil es im damaligen Westen der BRD durchschnittlich 1,6 offene Stellen für nur einen Arbeitslosen gab, betrug die Arbeitslosenquote nur traumhafte 1,6 % (Zahlen aus dem Monatsbericht der BA vom Februar 1997). Arme Arbeiter gab es deshalb damals nicht.

Was lehrt uns das? Die NPD ist verfassungsfeindlich und müsste deshalb verboten werden. Bei den letzten Landtagswahlen in Niedersachsen bekam sie 0,8 % der Zweitstimmen und 0,2 % der Erststimmen. Ihre Wähler kennen sich mit dem Wahlrecht also sehr genau aus. Die NPD blutet finanziell glücklicherweise derzeit aus. Im Internet sind die Neo-Nazis bei Jugendlichen aber leider sehr erfolgreich, weil die Alt-Parteien total versagen. Eigentlich müssten CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke und Piraten wegen Verstoß gegen den Artikel 12 GG auch als verfassungsfeindlich verboten werden. Denn sie drehen keinen Daumen gegen den Geld-Krieg der oberen 50 % gegen die unteren 50 %. Meine SPD macht gerade Werbung mit “Das WIR entscheidet.” Wann denken sich meine SPD-Oberen eine Politik für die unteren 99 % aus?

Guido, Du solltest noch etwas mutiger und klüger werden. Verbreite endlich die Wahrheit über Geld und Schulden. Wir Deutschen haben nicht zu wenig Geld, wie fast alle jammern, wir haben zu viel Geld=Schulden. Klar, dass ist nicht einfach zu verstehen. Denn Geld-sparen ist ja tugendhaft. Geld aus dem Fenster schmeißen ist falsch. “Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.” Alles richtig. Aber: Über die Hälfte unserer Geld-Ersparnisse wurden in den letzten 40 Jahren zu Staatsschulden. Wie sinnvoll ist das? Bei einem Zins von 3 % kosten uns Steuerzahler 2 Billionen € Staatsschulden jedes Jahr 60 Milliarden €. Bei einem Zins von 1,5 % (Dank Peer Steinbrück, wann blickt meine SPD da endlich durch?) nur noch die Hälfte: 30 Milliarden €.

Zu viele in Deutschland haben Angst vor einem Schuldenschnitt wie auf Zypern. Das ist aber unbegründet. Denn wenn die Wohlhabenden in Deutschland mit Erbschafts-, Vermögens-, Zins- und Finanztransaktions-Steuern die Staatsschuld-Zinsen bezahlen müssen, sind die Staats-Schulden das geringste Problem in Deutschland. Denn denen stehen doch Geldvermögen gegenüber, die eines Tages vererbt werden. Geld macht zwar nicht glücklich, aber es beruhigt. Die oberen 50 % dürfen seit fast 40 Jahren so viel Geldsicherheit ansparen, wie sie wollen. Ohne Rücksicht darauf, dass die unteren 50 % arm oder arbeitslos sein müssen, damit sie kein Geld sparen können. Was für eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel stinkt. Und keiner regt sich darüber auf. Nur Hans-Jürgen Ahlers aus Celle bei Hannover.

PS: Lieber Guido, bist Du nun etwas klüger? Bitte unten einen Kommentar schreiben. Dann bist Du als Student bei mir eingeschrieben, auf alle Ewigkeit.
PS 2: Kennst Du das Gesetz der Kette? “Eine Kette ist so stark wie das schwächste Glied.” Sind wir als deutsches Volk deshalb so dumm wie der dümmste Deutsche? Das darf doch nicht wahr sein !!! !!! !!! Das gilt leider derzeit auch noch in Sachen Energie der Zukunft. Teile bitte den Erdumfang (40 000 km) durch 24 Stunden. Dann weißt Du, wie schnell die Menschen am Äquator sind. Wo hat Gott den Erdmotor versteckt? Ahlers-Antwort: Unsere Erde ist ein Magnet-Motor.


Apr 12, 12:08

nach oben

Kommentare

  1. lieber Hans, ich danke dir für deine Zeit die Du mir immer wieder als Mentor zu Verfügung stellst. diese ist bis zum heutigen Zeitpunkt auch sehr gut für meinen Wissenstand eingesetzt worden.
    Hochachtungsvoll dein Guido
    PS: an alle Mentoren: seit so gut und gebt EUER Wissen bitte immer positiv weiter.
    Dei Kinder und Kindeskinder werden es euch immer Danken.

    guido · Apr 23, 19:00 · #

  2. Der Artikel ist zwar schon älter, dennoch immer noch sehr informativ und vor allen Dingen auch sehr interessant geschrieben.

    Thomas · Feb 19, 12:48 · #

Kommentar schreiben
Textile-Hilfe
Das Freischalten der Kommentare, kann etwas dauern,
da ich nicht immer vorm PC sitze. Vielen Dank
 
Ähnliche Artikel
Warum ist die Arbeitslosigkeit zu hoch? (8/2010)
Warum ist Moldawien die Republik der verlassenen Kinder? (21/2010)
Gibt es ein Recht auf Arbeit? (13/2010)
Unsere korrupten Oberpolitiker haben 57,54 Prozent unserer Geldersparnisse zu Staatsschulden gemacht (41/2011)
Avaaz-Petition "Ende des 39jährigen deutschen Geld-Kriegs der oberen 50 % gegen die unteren 50 % (141/2013)
Ursache des Wirtschaftswunders von 1950 war die niedrige Sparquote (151/2014)
Was ist Geld? (5/2010)
Was ist der größte Euro-Fehler? (68/2012)
Chance auf Arbeit in den 16 Bundesländern im September 2010 (26/2010)
Ahlers-Text im Blog von Roland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche (70/2012)