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Chance auf Arbeit in den 16 Bundesländern im September 2010 (26/2010)

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Die Höhe der Arbeitslosigkeit richtet sich nicht nach den Lohnnebenkosten sondern nach den Gewinnen. Die bestimmen die Zahl der offenen Stellen. Und die dann die Zahl der Arbeit-Suchenden bzw. Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger.

Die Probleme Arbeitslosigkeit und Armut können nur gelöst werden, wenn Wirtschaftstheorie und Politik erkennen: Es muss mehr offene Stellen als Arbeit-Suchende geben. Meine statistische Zahl “Chance auf Arbeit” ist der Quotient aus Arbeit-Suchenden und offenen Stellen. Also: Wie viele Arbeit-Suchende müssen sich um eine offene Arbeitsstelle streiten? Diese Zahl ist in den 178 Arbeitsagenturen, den 16 Bundesländern, Deutschland-West und Deutschland-Ost sehr unterschiedlich, (siehe BA-Statistik). Einmal im Jahr, im November, mache ich mir die Mühe und sortiere die Bundesländer in einer Rangordnung von 1 bis 16. Das Bundesland mit den besten Chancen kommt auf den 1. Platz. Bei den Bundesländern nenne ich nur 3 Arbeitsagenturen, zuerst jene mit den besten Chancen, dann eine der größten Städte und zuletzt die Agentur mit den schlechtesten Chancen. Ich herhoffe mir davon ein Umdenken von Wirtschaftstheorie und Politik. Es muss darüber diskutiert werden: Wie kann die Zahl der offenen Stellen so hoch gehalten werden, dass die Arbeitslosigkeit sinken kann. Denn es ist logisch: Die Arbeitsagenturen können doch Arbeitslose nur in die offenen Stellen vermitteln, die es gibt.

Oberstes politisches Ziel muss sein: Eine Zeitreise in das Jahr 1973. Damals, in meinem letzten VWL-Studienjahr, gab es im kalten Februar 569 968 offene Stellen für nur 347 053 Arbeitslose. Logisch: Weil es durchschnittlich in Westdeutschland 1,6 offene Stellen für einen Arbeitslosen gab, betrug die Arbeitslosenquote damals nur 1,6 Prozent. Das war nur Übergangs-Arbeitslosigkeit durch eigene Kündigung und ich hatte drei Tage nach dem Studium gut bezahlte Arbeit. Die Rangordnung der von mir berechneten “Chance auf Arbeit” verändert sich von Jahr zu Jahr, seit 2001.

Rang Bundesland Arbeit-Suchende offene Stellen Chance auf Arbeit Arbeitslosenquote in %
1. Baden-Württemberg 456 680 58 268 7,8 5,2
  Schwäbisch-Hall 10 557 2 655 4,9 4,1
  Stuttgart 47 576 6 430 7,4 6,1
  Reutlingen 19 562 1 214 16,1 5,0
2. Bayern 498 817 57 675 8,6 4,6
  Weilheim 9 380 1 759 5,3 3,5
  München 96 897 10 868 8,9 5,0
  Weiden 10 034 642 15,6 5,6
3. Hamburg 138 866 15 044 9,2 9,0
4. Hessen 337 806 35 331 9,4 6,8
  Frankfurt a.M. 75 985 12 079 6,3 7,0
  Kassel 36 907 2 953 12,5 7,5
  Offenbach 23 711 1 564 15,2 8,6
5. Rheinland-Pfalz 202 726 18 612 10,9 5,9
  Trier 19 034 2 773 6,9 4,3
  Mainz 31 780 3 692 8,6 6,2
  Neuwied 17 010 978 17,4 6,3
6. Niedersachsen 505 667 38 090 13,3 7,8
  Nordhorn 12 164 1 869 6,5 4,2
  Hannover 72 884 5 029 14,5 10,9
  Stade 21 837 1 094 20,0 6,9
7. Saarland 65 933 4 516 14,6 7,8
  Saarlouis 16 128 1 401 11,5 6,2
  Saarbrücken 32 450 2 090 15,5 9,7
  Neunkirchen 17 355 1 025 16,9 7,0
8. Schleswig-Holstein 182 737 12 146 15,045 7,8
  Bad Oldesloh 19 313 1 770 10,9 5,5
  Kiel 35 268 1 765 20,0 9,0
  Heide 10 583 513 20,6 8,5
9. Nordrhein-Westfalen 1 263 990 752 540 15,047 9,2
  Soest 17 639 1 993 8,9 7,9
  Düsseldorf 70 882 6 365 11,1 9,2
  Recklinghausen 45 603 1 505 30,3 12,3
10. Bremen 65 684 4 247 15,4 13,0
  Bremen 56 131 3 792 14,8 10,9
  Bremerhaven 19 870 931 21,3 12,2
11. Thüringen 201 101 11 768 17,2 9,6
  Suhl 31 201 2 543 12,3 7,6
  Erfurt 47 624 2 925 16,3 10,3
  Altenburg 11 771 241 48,8 13,8
12. Sachsen 422 321 16 851 25,1 12,0
  Plauen 22 193 1 268 17,5 10,6
  Leipzig 91 305 3 264 28,0 14,2
  Bautzen 64 285 1 738 37,0 12,9
13. Brandenburg 258 140 8 729 29,6 11,2
  Potsdam 59 049 2 745 21,5 8,9
  Neuruppin 57 437 1 632 35,2 11,2
  Eberswalde 36 267 888 40,8 13,1
14. Sachsen-Anhalt 269 103 9 034 29,8 12,4
  Magdeburg 63 036 2 746 23,0 10,8
  Halle 45 029 1 783 25,3 12,3
  Wittenberg 12 985 310 41,9 11,8
15. Mecklenburg-Vorpom. 195 244 6 357 30,7 12,3
  Schwerin 49 387 2 071 23,8 11,0
  Rostock 54 103 1 889 28,6 11,9
16. Berlin 419 645 10 745 39,1 15,4
  Berlin-Mitte 165 314 4 788 34,5 16,3
  Berlin-Nord 124 494 3 293 37,8 14,7
  Berlin-Süd 129 837 2 664 48,7 15,0
  Deutschland West 4 138 551 338 676   12,2
  Deutschland Ost 1 345 909 52 739   25,5
  Gesamt-Deutschland 5 484 460 391 415   14,0

Sie werden gemerkt haben: Die Zahl der Arbeit-Suchenden ist höher als die in den Medien bekannte Zahl der Arbeitslosen. Der Statistiker-Spruch “Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.” ist allgemein bekannt. Damit für die Regierenden das Problem Arbeitslosigkeit geringer ist, werden die Zahlen geschönt. Wer noch nicht gearbeitet hat, als Student nur eine Aushilfsstelle sucht oder sich in einer Maßnahme befindet, oder als älterer Arbeitsloser keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hat, gilt nicht als arbeitslos. Sie können sehen: Wenn ich nur die Arbeitslosenquote betrachten würde, ergäbe das eine andere Rangordnung. *Mir kommt es aber darauf an, dass Sie durchschauen können, warum Arbeitslosigkeit und Armut so hoch sind.

Soziale Politiker fordern gern Vollbeschäftigung. Die Gegner der Vollbeschäftigung argumentieren: Die ist seit Jahrzehnten nicht möglich. Und: Es gibt fast 400 000 offene Stellen. Die Arbeit-Suchenden sind für diese Stellen nicht qualifiziert. Da wird der Schwarze Peter von den Schulen zu den Arbeitgebern hin und her geschoben. Fragen Sie sich bitte: “Haben wir nun das beste Berufsausbildungssystem oder nicht?” Sie können meiner Statistik entnehmen: Die Menschen in Berlin sind nicht dümmer und fauler als die Menschen in Baden-Württemberg. Es liegt an uns Bürgern, die Probleme zu lösen. Unser Hauptproblem ist: In den letzten 35 Jahren waren wir so dumm und haben doppelt so viel Geldsicherheit angespart, als Wirtschaft und Familien Kredite benötigten. Viele Menschen haben die Zahl der Staatsschulden von Bund, Ländern und Kommunen im Kopf: über 1,7 Billionen €. Eine unvorstellbar große Summe. In 5 €-Banknoten gestapelt sind unsere Staatsschulden fast 40 000 Kilometer hoch, umschnüren also fast einmal unsere Erde. Wenn wir 2 Billionen € Staatsschulen haben, ist die Erde umrundet. Unsere reinen Geldersparnisse betragen über 3,3 Billionen €. Man kann mit dem Taschenrechner ausrechnen: Die Staatsschulden betragen 51 Prozent unserer Ersparnisse.

Wir Menschen neigen dazu, unsere Schuld zu leugnen. Psychologen nennen das den automatischen Abwehrmechanismus. Die meisten Kriminellen leugnen vor Gericht ihre Schuld. Alle Kaufleute wissen: Soll und Haben müssen stimmen. Für die Weltwirtschaft gilt: Es gibt gleich viele Schulden wie es gespartes Geld gibt. Der Spruch von Henne und Ei gilt nicht. Zuerst ist das Geld da. Banken haben dann die Aufgabe, Schuldner zu finden. Bankdirektoren lieben den Staat als Schuldner, weil der jeden Monat pünktlich Zinsen zahlt. 2008 mussten wir Steuerzahler 68 Milliarden € Staatsschuldzinsen zahlen. Ein riesige Summe, die sich Nichtvolkswirte schwer vorstellen können. Ich übersetzte sie deshalb so: 2007 betrug die Summe aller Kindergelder 33,7 Milliarden €. Sie können im Kopf ausrechnen: Die Staatsschuldzinsen waren doppelt so hoch als alle Kindergelder zusammen. Da darf sich niemand wundern, dass die Deutschen zu wenige Kinder haben. Und dass Arbeitslosigkeit und Armut so hoch sind. Denn die Staatsschuldzinsen sind eine Subvention an die Verursacher der Millionenarbeitslosigkeit, Geldsparer, Politik- und Banksystem.

Wir Menschen können mit unserem Geld nur zwei Dinge tun: Es ausgeben oder sparen. Wenn wir genug ausgeben, wird daraus ein positiver Kreislauf: Gewinne, Investitionen, mehr Löhne. Wenn wir zu viel sparen, wird daraus ein Teufelskreis: Zu viele Schulden, Konkurse, zu hohe Arbeitslosigkeit. Unser Problem ist: Wir Menschen lieben das Geld. Die Schulden sollen die Anderen haben. Und: Sparsamkeit ist eine Tugend. Wir haben kein schlechtes Gewissen, wenn wir zu viel in die Geldsicherheit sparen. In den ersten drei Jahren der Großen Koalition ist die Arbeitslosigkeit jeweils um 600 000 gesunken. Zu viele meinen: Wegen Hartz IV. Die Dummen dürfen das gern glauben. In Wirklichkeit war es die Konsolidierungspolitik. Weil der Staat die Schuldenbremse beschloss, hofften die Unternehmer: Jetzt müssen sich die Banker wieder mehr um uns kümmern.

Alle wissen: Geld regiert die Welt. Viele hatten die Hoffnung: Wenn das mit dem Sinken der Arbeitslosigkeit so weiter geht, gibt es in fünf Jahren wieder mehr offene Stellen als Arbeitslose. Dann kam die Weltfinanzkrise, weil zu viel gewettet wurde. Wenn der kleine Mann beim Lotto mit seinen Zahlen wettet, muss er direkt und indirekt 50 % Wettsteuer zahlen. Als Porsche um VW wetten durfte, betrug die Wettsteuer 0,00 %. Seit vielen Jahren wird eine geringfügige Transaktionssteuer gefordert. Sie könnte dafür sorgen, dass genug Geld in den Staatskassen ist. Volks-Verdummer sagen: Staatsschuldzinsen sind eine Belastung für zukünftige Generationen. Die Wahrheit ist: Die Zinsen müssen schon heute jedes Jahr bezahlt werden. Wir sind ein reiches Volk: Wenn die Wohlhabenden jährlich 68 Milliarden € Erbschafts-, Vermögens- und Reichensteuer bezahlen würden, wären die Staatsschulden das geringste Problem in Deutschland. Wir könnten auch fordern: Alle müssen die Hälfte ihrer Ersparnisse dem Staat zinsfrei geben. Denn der Islam ist doch in Deutschland angekommen. Dieser Traum platz aber sofort, weil dann am nächsten Tag das gesamte Banksystem bankrott wäre.

Helmut Kohl hat großen Anteil am Problem. Die Vereinigung kam zu schnell, weil er die Wahl gewinnen wollte. Er hat von blühenden Landschaften geträumt, weil er dachte: Die Währungsunion bewirkt ein Wirtschaftswunder wie nach dem Krieg. Zu wenige Volkswirte wissen, wie das Wunder von Ludwig Erhard funktionierte. Es lag an der Sparquote von nur 3,2 Prozent im Jahr 1950. Weil unsere Eltern und Großeltern damals im Durchschnitt 96,8 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel, Miete und Kohlen ausgeben mussten, schwammen fast alle Unternehmen in Gewinnen. Die Wirtschaft investierte damals brutto 27 %. Nach Abzug der Abschreibungen (finanziert durch die Finanzämter) blieben 17 % Nettoinvestitionen übrig. Unsere Gymnasiasten müssen nicht lernen, wie die Wirtschaft bei einer Sparquote von 3 Prozent 17 Prozent netto investieren konnte. Ich lernte es erst im ersten VWL-Semester an der TU Hannover von meinem besten Professor Claus Köhler. Er schrieb uns 1968 die Sparzahlen aller Deutschen von 1950 bis 1967 an die Tafel. Sie stiegen im Trend linear. Am Ende der Vorlesung fragte er uns Studenten: “Wo führt das einmal hin?” Im Hinausgehen aus dem Hörsaal sagte er leise zu seinem Assistenten Lothar Hübl: “Ich verstehe nicht, dass meine Kollegen immer noch nicht gelernt haben, dass die privaten Haushalte nicht sparen müssen, damit die Unternehmen investieren können. Denn wenn die einen nicht sparen, sparen die anderen über die Gewinne. Das nennen wir Eigenfinanzierung.”

Als ich an der Uni Kiel weiter studierte, wurde Köhler in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Rat der fünf Weisen) berufen. Er schrieb jedes Jahr ein Minderheitengutachten. Weil die Deutsche Bundesbank sein Geld-, Kredit- und Liquiditätswissen sehr schätze, berief sie ihn danach in den Bundesbankrat. Leider sah er es nicht als seine Aufgabe, seine Professoren-Kollegen zu belehren. Die meinen immer noch, sie hätten nach Artikel 5 Grundgesetz die wissenschaftliche Narrenfreiheit. Jeder meint, er könne lehren, was er wolle. Der nächste Satz lautet aber: “Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.” Der Artikel 12 GG lautet u.a.: “Alle Deutschen haben das Recht, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen.” Freie Wahl bei politischen Wahlen bedeutet: Mehr als eine Partei. Unser wichtigstes Wirtschafts-Grundrecht kann noch nicht einmal mit 99,9 % im Bundestag gestrichen werden. Es gilt bis in die politische Ewigkeit.

Aber: Wenn wir Bürger unsere Grundrechte nicht einfordern, bekommen wir die nicht. Gewerkschafter wissen: Wer nichts fordert, kriegt nichts. Juristen wissen: Wo es keinen Kläger gibt, kann es keinen Richter geben. Unter Kanzler Kohl wurde die Vermögenssteuer ausgesetzt, weil unsere obersten Richter meinten, sie sei ungerecht. Die Richter hätten doch wissen müssen: Geld-, Immobilien- und Aktienvermögen ist unterschiedlich gefährlich. Die Geld-Lobby hatte vorläufig gesiegt. Ich hoffe, dass meine Artikel im Internet von möglichst vielen Menschen gelesen wird. Das sie mit mir fordern: Mehr offene Stellen als Arbeit-Suchende. durch Bessere Gewinnchancen in der Wirtschaft als im Bankwesen. Eine Zeitreise ins Jahr 1973 ist möglich. Sie muss nur gewollt sein. Wofür bezahlen unsere Kultus- und Wissenschaftsminister über 2 000 beamtete und damit unkündbare Ökonomieprofessoren an 66 deutschen Universitäten und 99 Fachhochschulen mit Wirtschaftsausbildung? Unsere Forderung muss sein: Einigung auf eine gemeinsame Denkbasis.

Wir Deutschen vertrauen wie zu Kaiserszeiten immer noch unseren Oberen. Unser allseits geschätzter früherer Bundespräsident Horst Köhler (nicht verwandt mit Claus Köhler) war zur Zeit der Währungsunion Staatssekretär unter Finanzminister Theo Waigel und Bundeskanzler Helmut Kohl. Wir Westdeutschen hatten damals 4 Billionen DM auf unseren Konten und die Bundesbank hatte für 130 Milliarden DM Banknoten im Umlauf. Unsere Brüder im Osten hatten nur 130 Milliarden DDR-Mark auf ihren Konten und die Staatsbank der DDR hatte nur für 14 Milliarden DDR-Mark Banknoten im Umlauf. Volkswirte müssen lernen, dass es durch eine stark rotierende Notenpresse zu einer Inflation kommt. Aus Unwissenheit hat unsere politische Führung Bar- und Spargeld verwechselt. Durch Zufall hatten die DDR-Bürger mit 130 Milliarden DDR-Mark so viele Ersparnisse auf ihren Konten wie wir Wessis Bargeld in Geld-Börsen und Tresoren. Warum wir Wessis damals in jeder Bank für 10 DM 100 DDR-Mark bekamen hat unsere Führung nicht interessiert. Es lag an der idiotischen Mehrwertsteuer der DDR. Mieten und Nahrungsmittel wurden für alle verbilligt. Das dafür nötige Geld holte der Staat sich über beliebte technische Geräte wie Farbfernseher und Videorekorder. Bei Monatslöhnen von 600 DDR-Mark kostete ein Farbfernseher in der Produktion nur 500 DDR-Mark. Deshalb konnten wir ihn bei Quelle für 500 DM kaufen. In der DDR wurde er für 5 000 DDR-Mark verkauft; mit einer tausendprozentigen Mehrwertsteuer. Bevor die DDR 40 Jahre feierte, hatte sie 20 000 Videorekorder in Japan bestellt. Zum Preis von 5 000 DDR-Mark waren die nach 14 Tagen ausverkauft. Was machte der gelernte DDR-Bürger? Er tauschte seine 5 000 DDR-Mark zum Kurs 10:1 in 500 DM und kaufte sich damit im Intershop seine gewünschten Videorekorder. Das hätte unsere Staatsführung doch wissen müssen.

Unsere Bundesbank hatte damals einen Jahresgewinn von 20 Milliarden DM. Damit hätte sie die Staatsbank der DDR 1:1 kaufen können. Die Währungsunion hätte ein Jahr später kommen müssen. Zuerst hätte in der DDR die westdeutsche Mehrwertsteuer eingeführt werden müssen. Wir hatten dadurch schon immer genug Geld in der Kasse, um Menschen, die nicht arbeiten können, genug Sozialgeld geben zu können. Oskar Lafontaine wusste von den Übergangsproblemen und hat gewarnt. Leider hat er falsch gewarnt. Durch die falsche Wiedervereinigung haben wir allein 1,5 Billionen € Staatsschulden. Die DDR-Rentner wurden sehr gut behandelt. Sie bekamen für ihre niedrigen Durchschnittslöhne die gleichen Rentenpunkte wie westdeutsche Rentner für ihren höheren Durchschnittslohn. Das wissen zu wenige: Die Rente richtet sich nach der Lebensleistung, die Beamten-Pensionen richten sich nach der letzten Beförderung. Das Kind ist längst im Brunnen. Wie bekommen wir es wieder heraus? Wir Menschen benötigen eine ähnliche Warnung vor dem zu vielen Geldsparen wie vor dem Rauchen. Unter jeder Anzeige müsste kleingedruckt stehen: “Wir sparen mit über 11 % zu viel Geldsicherheit an. Als Folge müssen wir über 7 Millionen Hartz IV-Empfänger mit schleppen. Warum sind wir so dumm? Erst wenn wir vernünftig nur noch 8 % sparen, können alle, die arbeiten wollen, eine gute Chance auf Arbeit bekommen.”

Die Wirtschaft würde gerne auf 3 % der Werbefläche verzichten. Weil sie dann sehr viele Milliarden € mehr Gewinne hätte. Wenn wir klug sind, gönnen wir der Durchschnittsfirma mit 10 Leuten das Lohngeld in der Kasse für den 11. Wir haben 3,3 Millionen Durchschnittsfirmen. Das ergäbe 3,3 Millionen weniger Arbeitslose und dadurch 3,3 Millionen mehr Beitragszahler und 3,3 Millionen weniger Hartz IV-Fälle. Wenn wir klug sind, gönnen wir den Arbeitgebern höhere Gewinne. Die mit den sehr hohen Gewinnen würden dann entsprechend mehr Gewerbe und Einkommensteuer zahlen. Die Staatskassen würden übersprudeln. Oder wollen wir dumm bleiben?

Zum Schluss noch ein Spaß. Ich frage Sie: “Was ist wichtiger, Sonne oder Mond?” Antworten sie bitte mit “Sonne”. Ich: “Total falsch, der Mond ist wichtiger, denn am Tag ist es doch sowieso hell. Denn Gott hat am ersten Tag das Licht geschaffen und erst am 4. Tag Sonne, Mond und Sterne am Himmel, damit wir Menschen Tag und Nacht unterscheiden können.” Wer das in der Schule in Religion sagt, bekommt eine zwei. Wer das in Physik sagt, bekommt eine sechs und bleibt sitzen. Vergleichen Sie bitte die Sonne mit den Gewinnen und die Lohnnenkosten mit dem Mond. Sie kennen doch auch den Kinderspruch: “Der lebt immer noch hinter dem Mond.” Leider lebt 2010 noch fast ganz Berlin hinter dem Mond. Wir haben immer die Politiker, die wir verdient haben. Wer hat die denn gewählt?


Okt 27, 13:45

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da ich nicht immer vorm PC sitze. Vielen Dank
 
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