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Alle wollen Dein Bestes, Dein Geld - Arbeitslosigkeit aus der Sicht einer Unternehmerin (102/2013)

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Wir Menschen lieben die Geldsicherheit. Nur wenige denken daran: Es muss immer gleich viele Schulden geben. Wer soll die haben?

Auch unser Staat will unser Bestes. Wir sollten das Abkassieren über Steuern und Sozialbeiträge aber positiv sehen. Denn die Soziale Marktwirtschaft hat zwei Seiten.
1. Unser Sozialstaat sorgt für Alte, Kranke, Arbeitslose und Pflegebedürftige. Deshalb müssen wir dafür nicht sparen.
2. Alles Geld, was der Sozialstaat uns wegnimmt, können wir nicht sparen. Und was wir nicht sparen können, können die Banker nicht zu Schulden machen.

Zu wenige Menschen denken daran: Wenn es in der Wirtschaft zu viele Schulden gibt, gibt es zu viele Konkurse und dadurch zu viel Arbeitslosigkeit und Armut im Volk. Das Volk weiß: Geld regiert die Welt. Aber wie? Lesen Sie bitte dazu diesen Artikel: http://ahlers-celle.de/Oekonomie/geld-regiert-die-welt-aber-wie-33

Lesen Sie dazu einen Artikel, den ich am 10.08.1986 für eine befreundete Unternehmerin tippte:

Seit 1975 leite ich den kleinen Handwerksbetrieb, den ich von meinem Vater übernommen habe. Schon in meinen Kindertagen wurde ich mit dem Beruf des Schildermaler- und Lichreklamehersteller-Meisters vertraut gemacht. Da wir Kinder zu Hause nur Mädchen waren, fiel es auf mich, die ältste Tochter, den Beruf und das Geschäft des Vaters fortzuführen; ob ich wollte oder nicht. Eigentlich wäre ich viel lieber Kinderkrankenschwester geworden.

Aber mein natürlicher Ehrgeiz packte mich dann. Ich schloss die Lehre in Celle und im Bezirk Lüneburg als beste vor allen Jungen und Mädchen ab. Beim Bundeswettbewerb erreichte ich dann sogar den dritten Platz. Nach meiner ersten Heirat bewirtschaftete ich zusammen mit meinem Mann ein Hotel in Celle. Durch tragische Umstände war ich gezwungen, Ehe und Hotel aufzugeben. Aber mein Vater war sofort bereit, mich wieder in seinen Betrieb aufzunehmen, den er schon aufgegeben hatte. Mühsam gelang es mir, mit Fleiß, Ausdauer und Geschick, ihn wieder erfolgreich zu führen.

Die Auftragslage war gut, sodass es mir möglich war, die frühere Gesellin meines Vaters, die bei uns den Beruf erlernt hatte, wieder einzustellen. Ich als Meister und Leiter des Betriebes war oft über 70 Stunden in der Woche im Betrieb und unterwegs im Landkreis Celle, um Aufträge hereinzuholen. Am schwersten war die kalte Jahreszeit für mich. Ich wurde regelmäßig krank und die Auftragslage wurde schlecht. Meine Angestellte hatte dann fast immer mehr Geld in der Hand als ich, was mich ärgerte.

Da ich in der Zwischenzeit einen zweiten Ehemann gefunden hatte, musste ich nicht mehr so viel für den täglichen Bedarf arbeiten. Er als studierter Volks- und Betriebswirt riet mir, weniger zu arbeiten. Das tat ich dann auch. Die Arbeit wurde weniger, sodass ich schließlich am Ende der letzten Konjunkturkrise meine Angestellt entlassen musste. Heute läuft der Betrieb auf kleiner Flamme. Er hilft mir, mitten im Leben zu bleiben und auch mal schöne Sachen zu kaufen. Ich habe einen Teilzeitjob, wie ihn viele Frauen sich wünschen. Dennoch weiß ich, dass ich meinen Beruf nicht bis an Ende meiner Berufstätigkeit ausüben kann. Man wird ja mit zunehmendem Alter nicht gesünder. So interessiere ich mich heute sehr für gesunde Ernährung und die richtige Medizin.

Aber was hilft uns alle gute Gesundheit, wenn die Wirtschaft lahmt und die Arbeitslosigkeit in der westlichen Welt immer weiter steigt. Wir haben ja schon einmal als Volk erlebt, wie aus hoher Arbeitslosigkeit eine Diktatur erwuchs und es dadurch zum 2. Weltkrieg kam. Auch in letzter Zeit kam es in Europa durch hohe Arbeitslosigkeit zum Krieg. England hätte Argentinien sicherlich nicht den Krieg um Falkland erklärt, wäre die Arbeitslosigkeit und England und Argentinien nicht so hoch gewesen.

Ich habe aus eigenem Erlebnis erfahren, wie es zur Arbeitslosigkeit kommt. Nämlich der meiner Angestellten. Nach langer Suche hat sie nun wieder Arbeit gefunden, wenn auch nicht in ihrem Beruf. Durch lange Gespräche mit meinem Mann habe ich gelernt, wie es zur Arbeitslosigkeit für viele kommt. Aus der Sicht des Unternehmers sind es immer die hohen Lohn- und Lohnneben-Kosten, welche die Erträge des Betriebes schmelzen lassen. Auch die Steuern tun da ihr Übriges. Ich habe jedoch gelernt, von oben auf alle Betriebe zu schauen.

In der Volkswirtschaftslehre gilt das Gesetz: Angebot und Nachfrage regeln den Preis und damit die Gewinne. Ist die Nachfrage hoch wie viele Jahre lang nach dem 2. Weltkrieg, erwirtschaften alle Unternehmer Gewinne. Sie brauchen dann keine Banken, die ihnen Geld für Investitionen leihen. Die Unternehmer wurden damals automatisch, wegen der hohe Nachfrage, Eigentümer ihrer Betriebe. Heute ist das anders. Da sind viele nur noch Besitzer, während die Bank Eigentümer ist. Das gilt besonders für jene Unternehmer, die sich verschätzt haben. Die investiert haben, wo keine oder nicht genug Nachfrage vorhanden ist.

Wie entsteht nun Nachfrage? Nach dem Krieg sind es Nahrungsmittel, Kleidung und warmer Wohnraum auch im Winter. Wir haben erlebt, was danach kam: Reisewelle, Autowelle, Möbelwelle, Telewelle. Vielleicht kommt jetzt die Gesundheitswelle. Der Staat hat viele Möglichkeiten, die Nachfrage des Volkes zu steuern. Die älteste ist jene, die Steuern zu erhöhen. Denn die Steuern, die das Finanzamt kassiert hat, kann niemand mehr sparen. Der Staat hat dann auch keine Schwierigkeit, das Steuergeld zu verteilen. Das wissen wir alle zu gut. Ebenso ist es mit den Sozialbeiträgen. Sie sorgen dafür, dass wir nicht so viel sparen können; aber auch nicht müssen. Der Generationenvertrag sorgt für Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter vor.

Die Staatsquote ist jedoch seit Jahren an eine Grenze gelangt, welche die Schwarzarbeit zu sehr begünstigt. Aber wir wollen ja auch nicht im totalen Versorgungsstaat landen. Der Umweg über die Staatsverschuldung hat sich als Irrweg erwiesen. Die Realzinsen stiegen in die Höhe, weshalb es für viele lohnender war, dem Staat Geld zu leihen, als in Arbeitsplätze zu investieren. Unsere Wirtschaftspolitiker haben leider noch nicht erkannt, effektiv an der Konsum- bzw. Spar-Quotenschraube zu drehen. Denn es gibt intelligente und weniger intelligente Methoden, für Nachfrage zu sorgen, indem die Spartätigkeit gedrückt wird.

Die Spartätigkeit des Volkes ist eine Funktion der Armut bzw. des Wohlstandes. Ist das Volk arm, wie nach dem Krieg, wird wenig gespart.Ist das Volk reich, wird viel gespart.Für das neue Auto zum Beispiel. Der Reichtum des großen Teils des Volkes führt so zur Armut der Arbeitslosen. Arbeitslose können nicht sparen. Wenn die Regierung da nicht durchblickt, beginnt der lange Weg der Selbstheilungskräfte der Wirtschaft über eine Politik des Aufschwungs durch Arbeitslosigkeit.

Wie oben gesagt: Wohlstand ist dann nur möglich durch Armut. Wenn man das nicht über einen Krieg machen will, muss man das Volk auf intelligente Weise arm machen. Die intelligenteste war nach dem Krieg der Hausbau. Nachdem das Haus fertig dastand, hatte der Eigentümer einen Haufen Schulden. Ich weiß das auch vom Hausbau meiner Eltern. Danach konnten sie nicht mehr sparen, weil sie Zinsen zahlen mussten und natürlich jeden Monat einen Teil der Schulden. Wir waren auf intelligente Weise arm. Doch inzwischen haben die meisten Eltern, die sich das zutrauen, ihr Eigenheim. Es gilt, neue Wege einer intelligenten “Armut” zu finden.

Eigentlich ist es sehr einfach. Nach der alten Formel: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wo gespart wird, müssen auch Schulden gemacht werden. Es muss nur die Frage geklärt werden, wer intelligente Schulden machen soll. Das Ausland, der eigene Staat, Unternehmer, Hausbauer oder Autokäufer. Die ältere Generation spart oft am meisten. Viele haben Angst vor der Gebrechlichkeit im Alter und sparen deshalb für die Pflege, weil sie nicht unter die Sozialhilfe fallen wollen. Jedoch wissen sie nicht, dass sie damit ihre Enkel arbeitslos machen.

Ich weiß als Unternehmerin, dass nur dann in neue Arbeitsplätze investiert wird, wenn die Kasse stimmt. Wenn der Unternehmer einen höheren Stundenlohn hat als seine Angestellten. Auch eingerechnet die vielen Stunxden über die 40-Stunden-Woche hinaus. Aber dazu ist Nachfrage erforderlich, darf nicht zu viel gespart werden. Viele Unternehmer suchen den Ausweg im Export, suchen die Nachfrage im Ausland. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Erst einmal ist die Auslandsnachfrage da. Aber dann kommt automatisch das Angebot des Auslands, weil unsere Exporteure ihr ausländisches Geld nicht behalten wollen. An der Situation ändert sich wenig. Denn in den anderen westlichen Ländern herrscht auch Arbeitslosigkeit, weil zuviel gespart wird.

Wir alle müssen intelligente Auswege finden, wenn wir den nächsten Krieg verhindern wollen. Wir müssen erkennen, dass nur dann ein höherer Prozentsatz unserer Unternehmer Gewinne erwirtschaftet, wenn die Regierung die Sparquote gerecht drückt. Eben nicht nur bei den Arbeitslosen, sondern bei allen Bürgern. Eine höhere Konsumquote heißt nicht unbedingt mehr Konsum, sondern: Früher Konsum. Die Auslandsreise antreten, wenn man erst die Hälfte angespart hat. Oder ebenso die Finanzierung beim Autokauf regeln.

Meine Mutter spart wenig. Denn sie hat drei Töchter mit zusammen vier Enkelkindern. Wir würden wohl alle viel weniger sparen können, wenn wir mehr Kinder hätten. Es ist jedoch sehr fragwürdig, ob die Methode “Reichtum durch Familienarmut durch Kinderreichtum” eine intelligente Methode zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist. Es gibt heute sicher vernünftigere Methoden. Wir müssen sie von unserer Regierung fordern.

Seit 1986 sind weitere 27 Jahre vergangen. Ende 2011 hatten wir 82 Millionen alle zusammen 3 567,6 Milliarden € bei Sparkassen, Banken und Versicherung in Form von Geld gespart, weshalb wir nach Soll und Haben alle zusammen auch 3 567,6 Milliarden € Schulden haben mussten. Davon haben unsere Politiker in Bund, Ländern und Kommunen uns 2 088,5 Milliarden € Staatsschulden gegeben, also 58,54 % unserer Geldersparnisse. Unser Staat ist also arm gemacht worden.

Unsere Bundesbank rechnet zum Geldvermögen der privaten Haushalte auch den Aktienbesitz. Deutsche Haushalte besaßen Ende 2011 Aktien im Wert von 221,5 Milliarden €, dazu für 394,9 Milliarden € Investmentzertifikate, in den aber auch Immobilienwerte und Geld stecken. Errechnen Sie bitte, wie gering diese Werte im Vergleich zum reinen Geldvermögen ist. Ab 2020 gilt die neue Schuldenbremse des Grundgesetzes (GG). Dann kann unser Staat nicht mehr mit dem verschuldet werden, was wir zuviel sparen. Unsere Kanzlerin sollte uns endlich die Wahrheit sagen:

Solange Ihr 11 % spart, müsst Ihr 3 Millionen Arbeitslose und 6 Millionen Hartz IV-Empfänger mitschleppen. Warum seid Ihr so dumm? Wenn Ihr nur noch 6 % spart, können wir Millionen-Arbeitslosigkeit und -Armut bald vergessen. Bedenkt bitte auch: Wer eine Aktie kauft, spart nicht – er investiert, weil dadurch niemand verschuldet wird. Ihr Großeltern: Kauf Euren Enkelkindern zur Geburt eine Aktie. Dann können die in Kindheit und Jugend das auf und ab des Kurses verfolgen und so zum Aktienspezialisten werden. Das ist die intelligenteste Methode, ein Volk reich zu machen, indem man es geldarm macht.


Mär 4, 05:46

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Kommentare

  1. Schwachsinn! Die Reichen sind die Banken-Besitzer und deren Zocker-Investment. Sie erschaffen Geld aus dem nichts, das sie dann den Staat verleihen. Der Euro ist ein Privatgeld was die DM oder die DDR Mark nicht waren. Die Geldmenge kontrollierte der Staat als souverän. Das ist mit dem Euro nicht mehr der Fall. Das ist das Problem. Man kann nicht mehr konsumieren wie es geht. Was vom Lohn übrig ist wird gespart, für grössere Anschaffungen – oder eben eine Altersvorsorge. Dann braucht man auch keine unnötigen Zinsen zu Zahlen, welches nur die Banken reich macht.

    — walter · Aug 20, 16:29 · #

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