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Ahlers-Text im Blog von Roland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche (70/2012)

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Was ist die eigentliche Ursache von 2 Billionen € deutscher Staatsschulden? Wie können sie ungefährlich gemacht werden?

Hallo lieber Herr Tichy,

ich kann mich noch gut an meine Spekulation mit 500 000 DDR-Mark erinnern, die ich einige Monate vor dem Mauerfall für 50 000 DM gekauft hatte. Ich ahnte nämlich den Kollaps der DDR und wußte, warum ich bei jeder Westbank für 10 DM 100 DDR-Mark bekam. Wenn die keine mehr hatten, bekam man unbeschränkt welche in den Stasi-Wechselstuben in den großen Bahnhöfen. Die DDR hatte mit ihrem Wahnsinns-Steuersatz z.B. auf Videorekorder ihre gute DDR-Mark über den Schwarzmarkt zerstört, um Mieten und Lebensmittel verbilligen zu können.

Wir machten im Westen mit der Mehrwertsteuer alles teurer und hatten deshalb genug Staatsgeld in der Kasse; z.B. für die Sozialhilfe. Ich wusste: Unsere Bundesbank hatte damals einen Jahresgewinn in Höhe von 20 Milliarden DM. Die Staatsbank der DDR hatte nur für 14 Milliarden DDR-Mark Banknoten im Umlauf. Die DDR-Bürger hatten nur 130 Milliarden DDR-Mark auf den Sparbüchern. Wir Wessis hatten 2 000 Milliarden DM auf den Konten bei Sparkassen, Banken und Versicherungen.

Kohl, Waigel und Köhler hatten nicht den geringsten Geld-Durchblick. Sie hatten nur dieses Abiturwissen: Wenn ein Staat zu viel Geld druckt, gibt es eine Inflation. In ihrer Dummheit verwechselten sie das Spargeld mit dem Bargeld. Kinder der 5. Klasse kennen den Unterschied. Sie unterstellten einfach, die Staatsbank der DDR habe mit 130 Milliarden DDR-Mark soviel Bargeld im Umlauf wie die Bundesbank in DM.

Nur um die Wahl zu gewinnen, setzten sie auf eine sehr schnelle Währungsunion. Es wäre für die Bundesbank ein Leichtes gewesen, die Staatsbank der DDR 1:1 zu kaufen und damit das DDR-Geld noch 1 Jahr im Umlauf zu halten. Es hätte dort erst die Mehrwertsteuer eingeführt werden müssen, damit die Mieten nicht hätten sofort steigen müssen. Die folgende Katastrophe mit der notwendigen Angleichung der Lebens- und Nahrungsmittelpreise hätte vermieden werden können. Kohl wusste wohl, dass der Durchschnittsarbeiter nur 600 DDR-Mark in der Lohntüte hatte. Deshalb setzte er durch, dass jeder für 5 000 DDR-Mark 5 000 DM bekam. Wer mehr hatte, wurde 2:1 enteignet. Was für ein Wahnsinn. Folge: Zusammenbruch der Staatsfirmen und jahrelange Arbeitslosigkeit um 20 %.

Kohl, Waigel und Köhler hätten wissen müssen, dass es mit der hohen Sparquote in den neuen Bundesländern blühende Landschaften nicht geben kann. Weil der Doktor der Geschichte keine Ahnung vom Wirtschaftswunder nach 1948 hatte, hat uns Steuerzahler die dumme Währungsunion nun schon über 2 Billionen € gekostet, weshalb wir 2 Billionen € Staatsschulden haben; Zinskosten pro Jahr bei einem Zins von 3 %: 60 Milliarden €.

Ich hatte damals großes Glück. Übergab meine 500 000 DDR-Mark neuen guten Bekannten in der DDR; ohne Unterschrift !!! Die tauschten sie 2:1 in 250 000 DM um und gaben mir davon 166 666 DM zurück (offizieller Kurs für Wessis: 3:1). Wir wurden dadurch Freunde. Die Spekulationsfrist zur Einkommensbesteuerung betrug damals 1 Jahr. Deshalb konnte ich mich über einen steuerfreien Gewinn von 116 666 DM freuen. Kurze Zeit später wurde die Frist auf ein halbes Jahr verkürzt.

Warum schreibe ich Ihnen das? Es muss unterschiedliche Finanztransaktions-Steuersätze geben; je nach Spekulationsfrist. Wenn WirtschaftsWoche es denn ernst meint damit, das Nuklearrisiko Börse verhindern zu wollen. Sie können sich doch etwas ausdenken. Hoher Steuersatz sofort fällig, unterschiedliche Erstattung nach Monaten.

Zurück zu 1950. Damals betrug die Sparquote 3,2 %, weshalb die Geldausgabequote 96,8 % betrug, weshalb die Nettoinvestitionsquote wegen der hohen Gewinne für fast alle Unternehmer 17 % betrug. Warum wird an keiner Schule und Universität gelehrt, dass die zu 14 %-Punkten aus Gewinnen finanziert wurde? Frau Merkel muss endlich schlauer werden. Unsere Sparquote ist mit 11 % zu hoch. Folge: 3,3 Millionen Durchschnittsfirmen mit 10 Leuten haben nicht das Lohngeld für den 11. in der Kasse. Folge: 3 Millionen Arbeitslose und 7 Millionen Hartz IV-Empfänger.

Die Schuldenbremse naht. Frau Merkel muss den oberen 50 % endlich sagen: “Warum seid Ihr so dumm und spart so viel? Als Folge bekommt Ihr nur einen Zins von 1 % bei einer Inflationsrate von 2 %. Und als Geldstrafe müsst Ihr noch 3 Millionen Arbeitslose und 7 Millionen Hartz IV-Empfänger mitschleppen !!! !!! !!! 1973 wart Ihr im Westen noch klüger. Weil Ihr vernünftig gespart habt, gab es im kalten Februar 1973 569 958 offene Stellen für nur 347 053 Arbeitslose. Weil es durchschnittlich 1,6 offene Stellen für einen Arbeitslosen gab, betrug die Arbeitslosenquote nur 1,6 %. Lasst uns eine Zeitreise in das Jahr 1973 wagen. Spart nur noch 6 % vom Nettoeinkommen.”

Damit endlich der Artikel 12 GG wieder gelten kann: “Alle Deutschen haben u.a. das Recht, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen.” Das ist theoretisch nur möglich, wenn es wieder mehr offene Arbeitsstellen als Arbeitslose gibt. Gut 2 000 Ökonomie-Professoren an 66 deutschen Universitäten und 99 Fachhochschulen mit Wirtschaftsausbildung verdienen ihr hohes Beamtengehalt von uns Steuerzahlern nicht, wenn sie ihren Studenten nicht die Wahrheit über das Geld sagen.

Alle Kaufleute wissen: Soll und Haben müssen stimmen. Ende 2011 betrugen die deutschen Staatsschulden 2 088,5 Milliarden €. Das waren 58,54 % der reinen Geldersparnisse in Höhe von 3 567,5 Milliarden €. Weil noch gut 40 % für Wirtschaft und private Haushalte übrig sind, hat Deutschland AAA. Schäuble bekommt deshalb Milliarden € neue Schulden zum Zins von 0 %.

Die CSU darf sich nur noch christlich und sozial nennen, wenn sie Griechenland eine Umschuldung zum Zins von 2 % bietet. Mit Milliardengewinn für Deutschland. Zu viele Menschen in Deutschland haben Angst vor einem Währungsschnitt 2:1 wie 1990. Der ist aber total unbegründet, denn es liegt kein 3. Weltkrieg vor uns. Denn wenn mit Erbschafts-, Vermögens-, Zins- und Transaktions-Steuern die Staatsschuldzinsen finanziert werden können, sind die Staatsschulden das geringste Problem in Deutschland. Das sollten auch die Griechen für ihr Land durchschauen.

Die griechischen Staatsschulden betragen 120 % der griechischen privaten Ersparnisse. Was eigentlich nicht geht, ermöglichten die europäischen Banken. Die CSU ist heute noch so dumm wie Kohl, Waigel und Köhler 1989. Wenn die EZB vorschlägt, ab einem bestimmten Zins für Staatsschulden einzugreifen, sollte die CSU doch froh sein. Aber die CSU-Dooofbacken haben solch ein schlechtes Gewissen, dass sie öffentlich nicht zugeben wollen, dass sie keine Ahnung vom Geld haben; also noch schlimmer sind als die Sozis.

Es war nämlich ein elementarer Fehler der €-Staaten, die Staatsschulden-Grenze an 60 % des BIP zu binden. Weil nur 3 % der Politiker und Wähler wissen, was BIP ist. Die richtige Grenze hätte 60 % der nationalen privaten Geldersparnisse ohne Aktien sein müssen. Denn die Völker wissen: Beim Geld hört die Freundschaft auf.

In Sachen ESM müssen unsere Verfassungsrichter auch endlich zugeben, dass ihre Vorgänger bei der Aussetzung der Vormögenssteuer einen elementaren Fehler gemacht haben. Die hätten wissen müssen: Geldvermögen sind wegen der folgenden Schulden sehr gefährlich. Immobilien- und Aktien-Vermögen, sind, weil Sachwerte, dagegen ungefährlich. Deshalb ist ein unterschiedlicher Steuersatz grundgesetzgemäß. Ich hoffe, dass die Redaktion der WirtschaftsWoche demnächst Medien-Druck auf Bundestag, Parteien und Bundesverfassungsgericht ausübt.

Kinder sollten nach der Geburt von ihren Großeltern eine Aktie geschenkt bekommen. Damit sie, wenn sie das Zählen lernen, das Auf und Ab von Aktien als normal erkennen. Und dass sie sich die Hoch- und Tief-Punkte merken. Wenn Roland Tichy beklagt, dass die Gierigen teuer kaufen, liegt das auch an der WirtschaftsWoche, Schulen, Universitäten und Zeitungen. Deutschland muss nicht dumm bleiben.


Aug 27, 08:32

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