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FOCUS: Das sind die fünf größten Denkfehler über die Rente (236/2016)

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FOCUS: Die Rentenzahlungen sinken? Mütter werden ungerecht behandelt? Die Rente mit 67 ist eine verkappte Kürzung? Stimmt gar nicht. Das deutsche Rentensystem ist jedoch viel komplexer. Gerade deshalb ist es so schwer, es zu reformieren. Bitte Ahlers-Korrekturen zur Kenntnis nehmen.

Ahlers: Gut, dass sich die FOCUS-Redaktion Gedanken über die Rente macht.

FOCUS vom 8.11.2016: Die Rentenzahlungen sinken? Mütter werden ungerecht behandelt? Die Rente mit 67 ist eine verkappte Kürzung? Stimmt gar nicht. Das deutsche Rentensystem ist jedoch viel komplexer. Gerade deshalb ist es so schwer, es zu reformieren. Reicht Ihnen das zum Leben? So hoch ist Ihre Rente mit Ihrem jetzigen Gehalt. So finden Sie Ihre Rentenversicherungsnummer
Hier lesen Sie alles, was Sie über die Deutsche Rentenversicherung wissen müssen

Denkfehler 1: Renten werden immer niedriger Viele beklagen, das Rentenniveau würde in den nächsten Jahren stark sinken. Statt derzeit 47,8 Prozent sollen es im Jahr 2045 nur noch 41,6 Prozent sein. Das ist jedoch längst nicht so dramatisch wie es klingt. Weil voraussichtlich auch in Zukunft die Löhne steigen, steigt auch der Wert der Rentenpunkte. Deshalb sind 41,6 Prozent des Lohns im Jahr 2045 in absoluten Zahlen immer noch mehr Geld als der gleiche Prozentsatz im Jahr 2016. Nach den offiziellen Prognosen wird die „Standardrente“ von heute 1372 Euro auf dann 2571 Euro wachsen. Weil die Menschen immer länger arbeiten, werden zudem mehr Rentner das „Niveau der vollen Rente“ erreichen, für das man 45 Beitragsjahre braucht. Sollte die Inflation dauerhaft niedrig bleiben, könnte die Kaufkraft der Rentner sogar steigen – damit rechnet allerdings keiner. Immerhin haben Rentner deutlich weniger Abzüge als Arbeitnehmer; auch das wirkt sich mäßigend aus. Ahlers-Kommentar:: Aber: Pensionen, die wir Steuerzahler bezahlen, richten sich nach dem letzten hohen Gehalt, das auch wir Steuerzahler finanzieren. Unsere Politiker bekommen alle eine hohe Pension, auch meine SPD-Obergenossen. Weil die Differenz zwischen Pensionen und Renten immer größer wird, krebst meine SPD bundesweit bei 22 %.

Denkfehler 2: Mütter werden ungerecht behandelt Sozialpolitiker fordern neuerdings, auch älteren Frauen mit Kindern nachträglich ein drittes Beitragsjahr für die Rentenversicherung zu schenken. Dieses Privileg haben bislang nur Mütter von nach 1992 geborenen Kindern. Was die Politiker dabei vergessen: Als Bundesarbeitsminister Norbert Blüm diese Sonderregelung 1992 einführte, verfolgte er ein konkretes Ziel: Jüngere Frauen mit einer höheren Rente sollten zum Kinderkriegen animiert werden. Deshalb sollten statt bisher einem Beitragsjahr fortan drei Jahre pro Kind für die Rente gutgeschrieben werden. Doch die Ausnahme hielt nicht lange: Die Frauen-Union in CDU und CSU brachte das Argument der Gerechtigkeit ins Spiel, weil es früher noch schwieriger gewesen sei, Beruf und Familie zu vereinbaren. Daraufhin bekamen ältere Mütter zwei Jahre gutgeschrieben. Mittlerweile verlangt der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sogar, ihnen auch noch das dritte Jahr zu gönnen. Der eigentliche Sinn des Gesetztes ist damit vergessen und dem Gerechtigkeitsargument gewichen. Ahlers-Kommentar: Die Mütterrente sollten wir Steuerzahler finanzieren.

Denkfehler 3: Rente mit 67 ist eine Rentenkürzung Viele Leute glauben: Wenn sie erst mit 67 Jahren in Rente gehen, bekommen sie unter dem Strich weniger Rente. Das stimmt aber nicht, weil vor allem Jüngere von der steigenden Lebenserwartung profitieren. Und die steigt sogar noch schneller als das Rentenalter. Die Rentenversicherung wird deshalb immer teurer, weil sie im Durchschnitt für einen Rentner immer länger zahlen muss. Viele skandinavische Länder koppeln deshalb bereits den Eintritt in den Ruhestand an die Lebenserwartung. Solch flexible Modelle haben den Vorteil, dass sie nicht von unsicheren Prognosen über die künftige Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung abhängen. Gleichwohl ist die Perspektive für die Rentenkasse nicht dauerhaft schlecht: Der Gipfel der Belastungen wird um 2030 erreicht, wenn die geburtenstärksten Jahrgänge aus dem Arbeitsleben scheiden. Danach stabilisiert sich die Lage etwas, weil weniger Menschen in Rente gehen und die Zahl der Beitragszahler kaum noch sinkt. So wird es dann voraussichtlich keine größeren Rentenkürzungen mehr geben. Ahlers-Kommentar: Müntefering bestätigte mir vor Jahren vor dem Bundestag in Berlin: “Ja, ich habe die Rente mit 67 eingeführt, damit es auch die Pension erst mit 67 gibt.”

Denkfehler 4: Ostdeutsche bekommen zu wenig Rente Schon seit Jahren jammern ostdeutsche Politiker: Die Alten zwischen Ostsee und Erzgebirge würden bei der Rente benachteiligt. Das Argument ist aber nicht haltbar. Zwar werden für jedes angesammelte Beitragsjahr sechs Prozent weniger Altersbezüge ausgezahlt, weil die Löhne im Osten niedriger sind. Anderseits werden ostdeutsche Beschäftigte bei der Rentenversicherung künstlich aufgewertet: Sie erhalten mehr Rentenpunkte und dadurch später auch mehr Rente als Westdeutsche mit derselben Punktzahl. Zudem haben zu DDR-Zeiten viel mehr Frauen gearbeitet, Arbeitslose gab es offiziell nicht. Auch deshalb zählen Rentner im Osten eher zum wohlhabenderen Teil der Ruheständler. Ahlers-Kommentar: Rentenpunkte richten sich nach dem Durchschnittslohn. In der DDR lag der Durchschnittslohn bei 600 DDR-Mark. Nach der Wiedervereinigung wurde dieser niedrige Durchschnittslohn dem wesentlich höheren westdeutschen Durchschnittslohn gleichgesetzt. Folge: Ostdeutschen Rentnern ging es wesentlich besser als den westdeutschen. Was ist 25 Jahre später? Die niedrigen Löhne im Osten wegen der höheren Arbeitslosigkeit bewirken eine wesentlich niedrige Rente im Osten Deutschlands.

Denkfehler 5: Selbstständige können Rentenkasse stabilisieren Eine populäre Forderung lautet, Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung miteinzubeziehen. Dadurch komme mehr Geld ins System. Argumentiert wird mit der gestiegenen Zahl an Selbstständigen, die oft nicht ausreichend für das Alter vorsorgen und später auf Kosten der Steuerzahler vom Staat versorgt werden müssen. Es handelt sich allerdings um eine Milchmädchenrechnung: Zwar steigen zunächst die Einnahmen der Rentenversicherung. Doch wer einzahlt, hat später auch Rentenansprüche – und diese führen schon bald zu Mehrausgaben. Zudem nutzen Freiberufler zum Teil gut funktionierende, kapitalgedeckte Versorgungswerke. FOCUS Online/Wochit Rentner bekommen heute doppelt so lang Rente wie noch 1970. Ahlers-Kommentar: Unser Problem ist die zu hohe Sparquote von 10 %, weshalb die Arbeitslosigkeit so hoch ist. Die Sparquote muss auf 6 % gedrückt werden, damit die Durchschnittsfirma mit 10 Leuten das Lohngeld für den 11. in die Kasse bekommt. Bei 3,3 Millionen Arbeitgebern hätten wir dann 3,3 Millionen weniger Arbeitslose und Arme. Die Sparquote ist so hoch, weil Selbständige, Beamte und Politiker keine Mindestrente ansparen müssen und deshalb zu viel für ihre Kinder und Enkel sparen. Unsere Partei-Politiker blicken da nicht durch, weil über 2 000 von uns Steuerzahlern finanzierte Ökonomie-Professoren an 66 deutschen Universitäten und 99 Fachhochschulen mit Wirtschafts-Ausbildung den Artikel 5 Grundgesetz (GG: Freiheit der Lehre) als Narrenfreiheit auslegen. Den nächsten Satz haben sie nicht im Kopf: “Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.” Siehe dazu mein http://ahlers-celle.de/Oekonomie/ursache-des-wirtschaftswunders-von-1950-war-die-niedrige-sparquote-151-2014.

Zum Thema: Bernd Raffelhüschen im Interview Rentenökonom warnt: “Die größten Dummheiten hat die aktuelle Regierung schon begangen”. Hinzuverdienst im Alter: Fürs Arbeiten neben der Rente gelten strenge Regeln, aber Besserung ist in Sicht. Die Folgen der “Haltelinie” Was Politiker mit der Rente vorhaben, wird für die Bürger richtig teuer.

Ahlers-Kommentar an die FOCUS-Redaktion: Das Problem der relativ niedrigen Rente ist die hohe Arbeitslosigkeit seit 1974, weshalb die Löhne seit 1974 gedrückt wurden. Ungerechtigkeit: Renten sinken im Vergleich zu den Pensionen. Die hohen Pensionen bezahlen wir Steuerzahler. Die Rente richtet sich nach der Lebensleistung. Wer viel verdient hat, bekommt eine höhere Rente. Die Rente mit 63 bedeutet: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Wer eine hohe Rente hat, bekommt noch zwei Jahre geschenkt. Folge: Meine SPD krebst bei 22 %. Müntefering bestätigte mir vor Jahren vor dem Bundestag in Berlin: “Ja, ich habe die Rente mit 67 eingeführt, damit es auch die Pension erst mit 67 gibt.” Bitte lesen Sie auch meinen 50. Artikel von 2012: http://ahlers-celle.de/Religionsreform/03-oktober-2012-politik-kirche-und-wissenschaft-beendet-endlich-den-geld-krieg-der-oberen-50-gegen-die-unteren-50-76-2012.


Nov 8, 15:34

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