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Der Geldkrieg der oberen 50 % gegen die unteren 50 % tobt seit 1974 (96/2013)

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Bei “Hart aber fair” wurde gerade darüber diskutiert, ob Witze über Adolf den Schrecklichen gemacht werden dürfen. Dabei merken wir nicht, dass 10 000 kleine A´s in Deutschland Politik machen.

Natürlich dürfen wir unsere Ober-Politiker nicht mit den Nazis vergleichen. Es gibt keine KZ´s und die Todesstrafe ist abgeschafft. Nur ganz selten noch dürfen deutsche Soldaten Massenmörder werden, wie ein Oberst in Afghanistan, als er die Todesstrafe für Dieseldiebe und Mörder wieder einführte. Er wurde sogar zum General befördert.

Statt Millionen im KZ gibt es aber drei Millionen Arbeitslose und sechs Millionen Hartz IV-Empfänger in der Armut. Und die sogenannte gebildete Schicht bemerkt überhaupt nicht, dass sie dafür verantwortlich ist. Warum geben wir so viele Milliarden € für die Ausbildung von Abiturienten und Studenten aus, wenn die uns als Volk hinterher verdummen?

Die Volksverdummung läuft seit 1974 schleichend. Adenauer hatte einen Innenminister, der sich damit entschuldigte: “Man kann das Grundgesetz (GG) nicht immer in der Jackentasche mit sich herumtragen.” Ich erwarte von Abiturienten aber, dass sie den ersten Satz im ersten Absatz von Artikel 12 GG auswendig im Kopf haben: “Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.”

Rein theoretisch kann jeder Schüler frei wählen, ob er VW-Chef oder Hartz IV-Empfänger werden will. Denn jeder ist als Kindergartenkind oder Schüler seines Glückes Schmied. Auch ohne Studium kann man sehr fleißiger Eisenbahnchef werden. Aber wenn man reiche Eltern hat, fällt das Studium leichter. Man kann dann sogar für kurze Zeit Verteidigungsminister werden. Dessen Vorfahren waren Raubritter. Durch das Internet wird das kriminelle Abschreiben aber schnell entlarvt.

Die wenigsten Wissenschaftler merken: Wissenschaftliches Arbeiten ist fast nur noch korrektes Abschreiben bzw. Zitieren. Aus 100 Büchern wird das Zig-Millionste. Fast alle Ärzte meinen, einen Doktor-Titel haben zu müssen, damit ihre Kunden sie mit Herr oder Frau Doktor anreden können. Dabei sollten Ärzte stolz darauf sein, wenn ihre Patienten ihren Familien-Namen im Kopf haben.

Zurück zu Adolf dem Schrecklichen. Seinen Familien-Namen sollte man nicht aussprechen, weil man damit neue Neonazis produziert. Die sind übrigens der Meinung, Adolf habe einen Intelligenzquotienten von über 140 gehabt, siehe http://derhonigmannsagt.wordpress.com/. Adolf sei also schlauer als Einstein gewesen. Wie kann man schlau sein, wenn man sagt, die Lichtgeschwindigkeit sei die höchste. Wenn das so wäre, bräuchte der Schöpfergott 16 Milliarden Jahre für eine Durchreise durch sein Universum. Ganz schön irre.

Klar, es gibt leider sehr intelligente Kriminelle. Die denken immer noch: Die Polizei ist dooof. Glücklicherweise wird die aber mit Internet und anderer Technik immer besser. Mörder haben fast keine Chance, dem Gefängnis zu entgehen. Aber es gibt zu viele Autodiebe im freien Europa, die mit geklauten PKW´s durch die Glastüren von Schmuckgeschäften rasen und diese in wenigen Minuten ausrauben.

Zurück zu Artikel 12 GG. 1973, in meinem letzten Jahr des Studiums der Volkswirtschaftslehre (VWL) gab es das nicht. Denn das Geld regierte die Welt damals noch nicht so sehr wie heute, siehe http://ahlers-celle.de/Oekonomie/geld-regiert-die-welt-aber-wie. Denn damals galt der Artikel 12 GG noch. Denn es gab damals sogar im kalten Februar mehr offene Arbeitsstellen als Arbeitslose.

Es gab damals 569 958 offene Arbeitsstellen für nur 347 053 Arbeitslose. Weil es in der damaligen BRD für einen Arbeitslosen durchschnittlich 1,6 offene Stellen gab, betrug die Arbeitslosenquote im Februar 1973 nur 1,6 % (Zahlen aus dem Monatsbericht der BA vom Februar 1973). Arme Arbeiter gab es deshalb damals nicht. Natürlich hatten die damals keinen billigen Flachbildfernseher und kein Internet. Aber jeder Arbeiter konnte sich damals Auto und Urlaub leisten, wenn er nicht ganz dumm war und sein Geld aus dem Fenster schmiss.

Wie sieht das heute aus? Wir Steuerzahler finanzieren über 2 000 Ökonomie-Professoren an 66 deutschen Universitäten und 99 Fachhochschulen mit Wirtschafts-Ausbildung. Was kommt dabei heraus? Fachidioten, die nicht wissen, was Geld ist. Die wissen nicht, was eine Banknote juristisch ist. Nämlich ein Schuldschein der EZB. Nach Soll und Haben ist Geld auf der anderen Seite der Bilanz die Schuld der Anderen.

Wir Menschen lieben das Geld. Die Schulden sollen die Anderen haben. So ist es dazu gekommen, dass unsere korrupten Politiker Ende 2011 58,54 % unseres gesparten Geldes (3 567,6 Mrd. €) zu Staatsschulden (2 088,5 Mrd. €) gemacht haben (Zahlen aus dem Monatsbericht Juni 2012 der Deutschen Bundesbank). Weil unsere Mathe-Lehrer bei der Prozentrechnung total versagen, blickt das Volk da nicht durch. Dabei haben alle Kinder einen Taschenrechner. Warum müssen sie da nicht 1 000 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 reintippen? Da kommt nämlich 2 012,19 64 71 heraus.

Dann könnten sich Kinder leicht merken: Ein Zins von 6 % bedeutet die Verdopplung der Schulden in 12 Jahren. Sie könnten sich auch leicht merken, dass ein Zins von 3 % die Verdopplung des Geldes in 24 Jahren bedeutet. Die EZB verhindert das gerade mit noch niedrigeren Zinsen. Auf dem Sparbuch gibt es nur noch 0,3 und auf dem Geldkonto nur noch 0,6 % Zinsen. Wenn man sein Geld vor der Inflation retten will, muss man es für sieben Jahre fest bei der Sparkasse anlegen.

Der niedrige EZB-Zins hat zwei gute Wirkungen. Die Staatsschuldzinsen werden immer billiger. 2008 kosteten sie noch 68 Mrd. €. Im gleichen Jahr gaben wir nur 33,7 Mrd. € für Kindergelder aus. Da darf sich niemand wundern, wenn deutsche Frauen so wenig Kinder haben. Aber: Das deutsche Volk wird nicht aussterben. Denn Ausländer-Kinder werden sehr gerne neue deutsche Kinder. Das ist auch eine gute biologische Blutauffrischung.

Bei einem Zins von 3 % kosten 2 Billionen € Staatsschulden im Jahr 60 Mrd. € Staatsschuld-Zinsen. Bei demnächst 1,5 % nur noch 30 Mrd. €. Die zweite Große Koalition hat sich für uns als Volk also gelohnt. Siehe http://ahlers-celle.de/Oekonomie/wie-kann-peer-steinbrueck-die-bundestagswahl-doch-noch-gewinnen. Aber was machen unsere Politiker demnächst mit den eingesparten 30 Mrd. €?

Wir als Volk sollten wissen: Wenn die Vermögenden mit ihren Erbschafts-, Vermögens-, Zins- und Finanztransaktions-Steuern die Staatsschuldzinsen bezahlen, sind die Staatsschulden das geringste Problem in Deutschland. Es gibt leider immer noch Oppositionspolitiker in Europa, die so denken: “Ich will die Wahl mit Geschenken auf Kredit gewinnen. Denn ich weiß genau: Ich werde nicht ewig in der Regierung bleiben. Wenn ich wieder in die Opposition muss, vererbe ich meine Schulden an die übernächste Regierung.” Der Milliardär Berlusconi ist in Italien derzeit der größte europäische Volksbetrüger. Da hatte die kluge alte Regierung eine Immobilien-Steuer wie die deutsche Grundsteuer (davon leben bei uns die Kommunen) eingeführt, nun wollte der Frauenheld sie auf Kredit wieder abschaffen. Wird Europa das finanzieren?

Was ist die zweite gute Wirkung des niedrigen Zinses? Gut möglich, dass Deutschland etwas intelligenter wird. Wann sagt Kanzlerin oder Kanzler uns: “Warum seid ihr so dumm und spart doppelt so viel Geldsicherheit an, als Wirtschaft und private Haushalte bereit sind, sich zu verschulden? Als Geldstrafe müsst ihr 3 Millionen Arbeitslose und 6 Millionen Hartz IV-Empfänger mitschleppen. Erst wenn ihr so klug seid und nur noch 6 % spart, kann der Artikel 12 GG wieder funktionieren.”

Die freie Wahl auf dem Arbeitsmarkt sollte uns so wichtig sein wie den DDR-Bürgern die freie Wahl auf dem Stimmzettel. Wir müssen als Volk doch nicht dumm bleiben. Wir können uns doch zu einer Zeitreise nach 1973 entscheiden. Wie viele Jahre schon gibt es Attac? Die Gesellschaft zur Einführung der Finanztransaktionssteuer. Wer beim LOTTO auf seine Zahlen wettet, weiß: Die Hälfte des Einsatzes landet beim Staat. Als Porsche um VW wettete, wie hoch war da die Wettsteuer? 0,00 % !!! !!! !!!

Erst wenn wir als untere 99 % von unseren Politikern fordern: Mehr offene Arbeitsstellen als Arbeitslose !!! kommen die auf die Idee, unsere Ökonomie-Professoren in ein Konklave zu zwingen. Damit sie sich darin auf ein 10 Seiten-DinA4-Papier einigen müssen, das als gemeinsame Basismeinung in die Schulbücher muss. Das wissen wir doch: Professoren sind wie Politiker Beamte. Und weil die nicht arbeitslos werden können, haben die kein persönliches Interesse daran, die Probleme Millionen-Arbeitslosigkeit und -Armut zu lösen. VWL-Professor Bofinger (einer von den fünf “Weisen”) hat ein schlaues Buch geschrieben. Im ersten Drittel hat er die Bedeutung der Sparquote erklärt, im letzten Drittel, wo es um Empfehlungen an die Politik geht, hat er sie aber wieder vergessen.

Unsere Ökonomie-Professoren haben vom Grundgesetz-Artikel 5 (3) nur den ersten Satz im Kopf: “Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.” Den legen sie als Narrenfreiheit aus und bilden Fachidioten aus. Den nächsten Satz haben sie nicht im Kopf: “Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.” Alle Beamten und Politiker müssen einen Eid auf das Grundgesetz leisten. Ich musste nach dem Abitur als Z2-Soldat 1966 rufen: “Ich schwöre, die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.” An diesen Eid fühle ich mich bis heute gebunden, weshalb ich als frei forschender Wissenschaftler die freie Wahl auf dem Arbeitsmarkt einfordere. In den letzten 40 Jahren mit ca. 15 000 Postbriefen an die da oben, seit über zwei Jahren mit meiner Website http://ahlers-celle.de/. Ich möchte mit der Tesla-Leuchtstoffröhre etwas Licht in das Dunkel zwischen Politik und Wissenschaft bringen. So wahr mir Gott helfe. Siehe: http://ahlers-celle.de/Religionsreform/glaubt-an-den-helfenden-allah-wegen-gotthilft-von-nazareth

Staatsschuldzinsen sind eine volkswirtschaftliche Subvention an die Verursacher von Millionen-Arbeitslosigkeit und Armut: Geldsparer, Politik- und Bank-System. Das fängt schon in der Kommunalpolitik an. Wer in der Politik nach oben will, muss im Verwaltungsausschuss sitzen. Das lohnt sich auch, weil man da als Aufsichtsrat in Sparkasse oder Stadtwerke noch etwas dazuverdienen kann. Die Sparkassendirektoren, die mehr verdienen als unsere Kanzlerin, müssen Schuldner für das zuviel gesparte Geld finden. Jahrzehntelang wurde das wir durch unsere gewählten Politiker.

Die erste Große Koalition unter Kiesinger, Brandt, Schmidt und Schiller hatte die Schuldenbremse im GG gestrichen. VWL-Professor Karl Schiller (Lehrer von Helmut Schmidt) hatte ihnen eingeredet, damit könne man Konjunkturen glätten. Die hätten aber wissen müssen, wie gefährlich die steigende Sparquote ist. Nach dem Krieg von Adolf betrug die Sparquote nur 3,8 %. Entsprechend war die Geldausgabequote 96,8 % hoch. Fast das ganze Geld musste in meiner Kindheit für Miete, Kohlen und Nahrungsmittel ausgegeben werden. Als meine Mutter 1/9 Haus erbte, konnten wir uns einen Käfer leisten und jedes Jahr einen Zelt-Sommerurlaub. Einmal italienische Adria und sonst Ostsee oder Sylt.

Das steht in keinem Lehrbuch: Die extrem niedrige Sparquote von 3,8 % bewirkte das Wirtschaftswunder nach dem Hitler-Krieg. Siehe: http://ahlers-celle.de/Oekonomie/zehn-fundamente-fuer-den-wirtschaftlichen-und-sozialen-fortschritt. Die hohe Geldausgabequote bewirkte: Fast alle Unternehmen schwammen in Gewinnen. Kluge Arbeitgeber investieren nämlich lieber mit Gewinnen als mit Krediten. Das geht auch anders, siehe Aldi und Schlecker. Die Aldi-Brüder wurden die reichsten Deutschen, indem sie Waren auf Kredit bestellten und schnell verkauften. Damit konnten sie ihre Schulden tilgen. Ihre Gewinne steckten sie in neue Geschäfte. Der erste gestorbene Aldi-Bruder hat aus seiner Firma eine Stiftung gemacht. Gut möglich, dass es Aldi deshalb noch in 1 000 Jahren gibt; was für ein Denkmal. Schlecker hat seine Gewinne in Villen gesteckt und musste so in den Bankrott.

Was mir noch sehr wichtig ist: Die Soziale Marktwirtschaft hat zwei Seiten. Auf der einen Seite sorgt sie für Kranke, Alte, Arbeitslose und Pflegebedürftige. Auf der anderen Seite bewirken Sozialabgaben und Steuern, dass wir das Geld nicht sparen können, was der Sozialstaat uns wegnimmt. Und was wir nicht sparen können, können die Banker nicht zu Schulden machen. Hoffentlich machen Sie einen Spaß mit. Ich frage: Was ist wichtiger, Sonne oder Mond? Antworten Sie bitte mit Sonne. Ich: Total falsch, denn am Tag ist es doch sowieso hell. Denn Gott hat am ersten Tag das Licht geschaffen und erst am vierten Tag Sonne, Mond und Sterne als Lampen am Himmel, damit wir Menchen Tag und Nacht unterscheiden können. Wer das in Religion sagt, bekommt eine 2 und wer das in Physik sagt, bekommt eine 6 und bleibt sitzen. In Niedersachsen demnächst aber nicht mehr. Mein Bitte: Vergleichen Sie die Gewinne mit der Sonne und die Lohnnebenkosten mit dem Mond. Sie wissen, was wichtiger ist. Warum wissen das unsere Oberpolitiker in Berlin immer noch nicht? Die leben hinter dem Mond.

Unser Klassenlehrer schleppte uns vor 50 Jahren in die Ausstellung “100 Jahre SPD”. Danach sagte er uns: “Wenn Ihr einen neuen Adolf verhindern wollt, werdet Mitglied einer demokratischen Partei.” Ich hatte als Schüler die Wahl zwischen CDU, SPD und FDP. Der SPIEGEL lästerte über die CDU: Das sind die Namen-Christen. Die nennen sich christlich und machen unchristliche Politik. 50 Jahre später krebst meine SPD bei 27 %, weil Atomkanzler Schmidt zum Gründer der Grünen und Hartz IV-Kanzler Schröder zum Gründer der Linken wurde. Es gibt immer Auswege. In Sachen Energie hier: http://ahlers-celle.de/Energie-und-Klima/freie-energie-bitte-bei-wwwtimetodoch-reinschauen-95.

Zurück zu Adolf dem Schrecklichen. Vor vielen Jahren stellte der SPIEGEL dieses Buch des früheren Stadtdirektors von Helmstedt vor: “Tödlicher Alltag – Strafverteidiger im Dritten Reich”. Dietrich Güstrow war im 2. Weltkrieg als Jurist kriegsverpflichteter Strafverteidiger. Nach dem Krieg schrieb er aus dem Gedächtnis (Akten durfte er nicht für sich behalten.) u.a. diese Kindheits- und Folge-Geschichte von Adolf dem Schrecklichen in sein Buch: “Ein Jugendstreich in Leonding”. Ich hoffe, die Buch-Erben erlauben mir dieses wissenschaftliche Zitat nach Artikel 5 GG. Diese Geschichte ist die beste Medizin gegen Neonazis. Die NPD erhielt bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen 0,2 % Erststimmen und 0,8 % Zweitstimmen. Weil sie unter 1 % blieb, bekommt die NPD dafür kein Stimmen-Geld von uns Steuerzahlern. Die NSU-Morde waren nur möglich, weil es in den Verfassungsschutzämtern Neonazis gab. Einer hatte den Spitznamen “Klein-Adolf”. Bundesregierung und Bundesrat wollen nun einen zweiten Anlauf unternehmen, die NPD zu verbieten. Aber was kommt danach?

“Im Herbst 1943 – Stalingrad lag schon ein halbes Jahr zurück – erhielt ich von einem Geschäftsmann aus Heilbronn, der eine Teigwarengroßhandlung betrieb und deshalb trotz seiner Jugend vom Wehrdienst befreit war, einen Brief mit der dringenden Bitte, mich seines Onkels namens Eugen Wasner anzunehmen, der als Gefreiter im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Spandau einsitze. Sein Verwandter habe ihn brieflich gebeten, ihm einen Berliner Strafverteidiger zu verschaffen, der ihn in einem Strafverfahren vor dem Zentralgericht des Heeres vertreten könne. Die Gründe, weshalb sein Onkel verhaftet und von der Front nach Berlin überführt worden sei, kenne er nicht. Er schilderte seinen Onkel als einen unauffälligen Mann, der Buchhalter in einer süddeutschen Stadt gewesen sei, ehe man ihn 1940 zum Wehrdienst eingezogen habe. Er sei Junggeselle und als solcher, obwohl erst Anfang Fünfzig, manchmal schon etwas schrullig; seiner Lauterkeit seien aber keine kriminelle oder sonstige strafbare Handlungen zuzutrauen.

Wenig später lernte ich Eugen Wasner kennen. Er war ein etwas kleinbürgerlicher und ziemlich redseliger Mann, der schon nach kurzer Einsamkeit der Untersuchungshaft recht verschüchtert und außerdem unbeholfen wirkte; sonst an Umgänglichkeit und Redseligkeit seiner Umgebung gewohnt, wußte er in seiner Eingeschlossenheit nicht mehr aus noch ein. Seine Erklärungen zur Sache waren verwirrend.

Wasner war ein Mitschüler Adolf Hitlers in dessen frühester Jugend im österreichischen Leonding bei Linz gewesen. In der Infanterie-Kompagnie, in der Wasner an der Ostfront stand, hatte er sich ganz offenbar damit witzig gemacht, vor allem – zum Ärger seines Vorgesetzten, eines Reserveoberleutnants – durch ständige Redereien über die Kriegslage. Seine meist jüngeren Kameraden nahmen ihn als etwas schrulligen Einzelgänger wohl nicht ganz ernst, heuchelten jedoch Interesse, wenn er die Wehrmachtsberichte im Rundfunk kritisch interpretierte und zu erkennen gab, daß er ihnen in vielen Punkten nicht traute. Der Kompagniechef hatte ihn deshalb ernsthaft verwarnt; Wasners Lagekritiken waren gemeldet worden, und einige gesinnungstreue Kompagnieangehörige hatten ihn als “Miesmacher” bezeichnet. Wasner war aber nach wie vor der Mittelpunkt eines Kreises interessierter Kameraden, die seinen strategischen Erwägungen amüsiert zuhörten und ihn durch Einwände oder durch übertriebenen Beifall geradezu anspornten, sich als Feldherr zu geben – offenbar nur der Unterhaltung wegen.

Nach einer verlustreichen Rückzugsbewegung im Mittelabschnitt der Ostfront geriet Wasners Lage-Kritik in höchst gefährliches Fahrwasser. Als nämlich einer seiner Kameraden ihn im Spaß oder in ehrlicher Naivität aufgefordert hatte, er solle doch seine Meinung über die Kriegslage seinem ehemaligen Mitschüler als dem obersten Kriegs- und Feldherrn schreiben, der vermutlich gar nicht wisse, wie es unten beim einfachen Landser aussehe, hatte sich Wasner – nach dem schriftlichen Bericht des Kompagnieführers an den Regimentskommandeur, mit dem die Strafakte Blatt 1 begann – wie folgt geäußert:

“Ach, der Adolf! Der ist ja deppert schon von kleinauf, wo ihm doch ein Ziegenbock den halben Zippedäus abgebissen hat!” Und, vom Staunen seiner Kameraden angespornt, war er fortgefahren: “Jawohl, ich bin doch selbst dabeigewesen. Eine Wette hatte er gemacht, der Adi, daß er einem Ziegenbock ins Maul pinkeln würde. Als wir ihn ausgelacht haben, hat er gesagt: “Kommt´s mit, wir gehen auf die Wies`, da ist ein Ziegenbock.” Auf der Wies´hab´ hab ich den Ziegenbock festgehalten zwischen meinen Beinen, ein andrer Freund hat dem Ziegenbock mit ´nem Stock das Maul aufgesprerrt, und der Adolf hat dem Bock ins Maul gepinkelt. Grad´ als er dabei war, hat der Freund den Stock weggezogen, der Bock hat hochgeschnappt und dem Adolf in den Zippedäus gebissen. Geschrien hat der Adi da aber fürchterlich und ist heulend davongelaufen!”

So Eugen Wasner im Kameradenkreise. Dem Kompagnieführer schien nun das Maß voll. Vielleicht schien ihm auch Absicherung angesichts solch staatsgefährdender Reden höchst angezeigt. Er hatte erst die Zeugen, dann Wasner selbst vernommen, der nur zu Protokoll gab: “Jawohl, das habe ich erzählt als einen Spaß aus des Führers Jugend.” Und auf nochmaligen Vorbehalt des Kompagnieführers, der vielleicht das leicht vorhersehbare Verhängnis für Wasner noch abwenden sollte, das könne doch nicht wahr sein, das habe sich Wasner doch nur als dummen Scherz ausgedacht, hatte Wasner geantwortet: “Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Was wahr ist, muß wahr bleiben.” Vorgelesen und von Eugen Wasner unterschrieben.

Der Kompagnieführer hatte seinen Bericht an den Regimentskommandanten mit der Bitte um weitere Veranlassung geschickt, da er in Wasners Äußerungen – der im übrigen wegen seines sonstigen dienstlichen Verhaltens, seiner Einsatzbereitschaft und seiner Kameradschaftlichkeit zu keinen Beanstandungen Anlaß gegeben hätte – einen Fall von Heimtücke und Wehrkraftzersetzung erblicken müsse, der strafrechtlich zu ahnden sei. In jedem Fall bitte er, Wasner zu einer anderen Einheit abzustellen, da er im Verband der Kompagnie nicht mehr tragbar sei.

Schon zwei Tage später war Wasner verhaftet und in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Spandau überführt worden.

Als ich Wasner das erste Mal gesprochen und anschließend die Gerichtsakten eingesehen hatte, war ich ziemlich entmutigt. Ich redete ihm mit Engelszungen zu, seine Aussage vor dem Kompagnieführer zu widerrufen und zu erklären, daß die Geschichte mit dem Führer ja nur seiner Phantasie entsprungen sei, weil er vor den jungen Kameraden mit seinem vertrauten Jugendumgang mit Hitler habe prahlen wollen. Aber mit Wasner war nicht zu reden – auch nicht, als ich ihm sagte, daß ihn dies voraussichtlich den Kopf kosten würde. Er blieb hartnäckig. Er erklärte, ein gläubiger und wahrheitsliebender Katholik zu sein, und was er gesagt habe, sei wahr, und wenn er deshalb sterben müsse, so werde er eben unschuldig verurteilt wie Jesus Christus, der ja auch habe sterben müssen. Aber man könne den Führer ja befragen über jenes Jugenderlebnis, Hitler werde die Geschichte, wenn er wahrheitsliebend sei, schon nicht abstreiten. Denn der Bruno Kneisel habe dem Ziegenbock ja die Maulsperre verabfolgt und dann vorzeitig den Stock aus dem Maul gezogen, der könne das auch bezeugen. Über den Aufenthalt dieses Zeugen konnte Wasner allerdings keine Angaben machen.

Meine Unterredung mit dem Oberkriegsgerichtsrat, der für die Buchstaben S-Z die Anklagen zu bearbeiten hatte, verlief wenig hofflungsvoll. Ich vertrat den Standpunkt, daß mein Mandant offenkundig geistesgestört sei, und beantragte deshalb vor Anklageerhebung die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens über den Geisteszustand des Angeklagten. Dies hätte ihm möglicherweise die Wohltat des § 51 StGb, das heißt die Feststellung völliger Strafunmündigkeit bei Vorliegen einer Geisteskrankheit oder aber doch zumindest eine Strafmilderung für den Fall der Feststellung einer vorübergehenden Störung seiner Geistestätigkeit gesichert. Als ich auch nur andeutungsweise erwähnte, daß der Beschuldigte groteskerweise einen Zeugen für jenen Jugendstreich benannt habe, dessen Auffindung und Vernehmung möglicherweise die Erzählung Wasners als reine Hirngespinste entlarven könne, geriet der Anklagebearbeiter in hellste Aufregung. “Um Gottes Willen”, sagte er plötzlich fast bittend, “wollen Sie mich und sich selber auch noch ins Unglück stürzen? Vielleicht verlangen Sie auch noch, daß ich den Führer selbst als Zeugen lade? Das ist doch eine ganz unglaubliche und gänzlich absurde Geschichte! Verschonen Sie das Gericht mit nutzlosen Beweisanträgen!” Mein überaus vorsichtig vorgebrachter Hinweis auf die Pflicht eines Verteidigers, alles zur Entlastung des Beschuldigten im gesetzlichen Rahmen Erforderliche zu tun, quittiere er mit der Erklärung: “Gut, ich werde diesen Kerl also auch noch psychiatrisch untersuchen lassen. Damit basta, Zeugen werden nicht geladen. Der Mann ist ja geständig, geradezu hartnäckig geständig, den Führer perverser Handlungen bezichtigt zu haben.”

Mit diesem Bescheid verließ ich den Oberkriegsgerichtsrat. Jetzt blieb mir nur noch die Hoffnung auf ein einigermaßen günstiges Gutachten. Dafür gab es umsomehr eine Chance, als das Gutachten auf meinen Vorschlag hin von dem Psychiater der Berliner Universität, Professor Dr. Müller-Heß, eingeholt werden sollte, der mit seinen Gutachten schon in manchen politischen Strafsachen Todeskandidaten vor dem Schafott bewahrt hatte. Aber Müller-Heß war gerade im Urlaub, und das Gutachten wurde von einem seiner Oberärzte erstattet.

In der Zwischenzeit hatte ich auf eigene Faust versucht, den Aufenthalt des potentiellen Zeugen Kneisel zu ermitteln. Meine Anfragen an das Einwohnermeldeamt und das Standesamt in Leonding wurden jedoch dahingehend beantwortet, daß der p. p. K. am soundsovielten daselbst geboren, nach Mitteilung des Standeamtes in Wien am soundsovielten des Jahres 1939 verstorben sei; die Todesursache sei Lungenentzündung gewesen. Kneisel war also nicht mehr zu vernehmen, und mich beschlich der hartnäckige Verdacht, daß sein früher Tod mit dem Ziegenbock-Erlebnis seines Jugendfreundes Adolf Hitler etwas zu tun gehabt haben könnte. Der Arm des Führers war lang und unerbittlich, wenn es um sein Vorleben ging, dafür gab es genügend Beispiele.

Das psychiatrische Gutachten fiel für die Zwecke der Verteidigung unergiebig aus. Wasner war dem Psychiater zweimal für einige Stunden zur Untersuchung vorgeführt worden. Ihm wurde zwar weitschweifige Redeweise, angeberhaftes Sichaufspielen, das für Überbewertung des Persönlichkeitsbewußtseins sprach, auch mangelhaftes logisches Denkvermögen und weiterhin eine etwas starrsinnige Religiösität, jedoch keine Umstände attestiert, die auf eine dauernde oder auch nur vorübergehende Störung seines geistigen Vermögens schließen ließen.

Mit Wasners Neffen, der ihn und mich inzwischen in Berlin besucht hatte, telefonierte ich unmittelbar vor dem Verhandlungstermin noch einmal ausführlich, um herauszufinden, ob es irgendwelche anderen Hinweise gäbe, daß sein Onkel irgendwann und irgendwo Lügengeschichten aufgetischt habe. Der Neffe wußte dafür keinerlei Hinweise zu geben. Er erklärte, auch niemals vorher etwas von der Ziegenbock-Geschichte seines Onkels gehört zu haben. Vor der mündlichen Verhandlung gab ich Wasner als letzten Rat nochmals die dringende Empfehlung, seine bisherigen Aussagen zu widerrufen; wenn er mit dem Leben davonkommen wollte, müsse er seine Erzählung über Adolf Hitlers angeblichen Jugendstreich als Lügengeschichte zutiefst bereien.

Die Verhandlung vor dem Zentralgericht des Heeres – die Öffentlichkeit war hier fast immer wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen – verlief kurz und militärisch. Der Angeklagte, nach drei Monaten entbehrungsreicher Haft seelisch zermürbt, wurde zur Sache und Person vernommen. Er blieb bei seinen Aussagen und fügte nur hinzu, daß er den Führer nicht habe beleidigen wollen; er habe seinen Kamerden nur einen gemeinsamen Jugendstreich als Scherz erzählen wollen. Er bereue das jetzt sehr. Der geladene Sachverständige, der junge Oberarzt von Müller-Heß, haspelte die Schlußfeststellungen seines Gutachtens herunter; einige meiner Fragen an ihn ließ der Vorsitzende, ein kurz angebundener Generalrichter, nicht zu. Der Ankläger beantragte wie erwartet für den Angeklagten die Todesstrafe wegen heimtückischer und gemeiner Verleumdung des Führers und Reichkanzlers und wegen Wehrkraftzersetzung. In meinem Plädoyer versuchte ich, die Bedeutung der Vorfälle herunterzuspielen; es handele sich schließlich um einen unbedeutenden kleinen Mann, dem zu Kopfe gestiegen sei, daß er den seltenen Vorzug genossen habe, in frühester Schuljugend mit dem Führer zusammengewesen zu sein. Unseligerweise habe er im Kameradenkreise mit dieser Kinderbekanntschaft geprotz, wobei man vielleicht doch auch dafür Verständnis haben müsse, daß in solchen Situationen Jugenderlebnisse übertrieben und manches zuviel gesagt werde; dabei komme es ja oft vor, daß sich im Laufe der Zeit harmlose Ereignisse in Skandalgeschichten verwandelten. Da der Angeklagte sich im zivilen wie im militärischen Leben aber stets einwandfrei geführt, überdies auch echte Reue bekundet habe, sei es zu vertreten, von der höchsten Strafe abzusehen und es bei einer Freiheitsstrafe bewenden zu lassen.

An den kalten Augen des Vorsitzenden und seiner beiden Beisitzer, von denen nur der Unteroffizier hin und wieder halb neugierig, halb mitleidig auf den zusammengesunkenen Angeklagten geschaut hatte, war schon während des Plädoyers abzulesen, daß das Urteil bereits gefällt war, ehe es verkündet wurde.

“Angeklagter, Sie haben das letzte Wort, wollen sie noch etwas vorbringen?” Wasner schreckte auf, holte Luft. Dann erinnerte er sich wohl, daß ich ihm gesagt hatte, sich auf die vom Gesetz vorgeschriebene Frage nur meinen Worten anzuschließen; er sackte zusammen und murmelte nur: “Bei Jesus und Maria, er hat´s aber doch getan, der Adi”, und, dann lauter werdend: “Ich kann´s beschwören, bei meinem Leben.” Das Gericht hatte sich schon erhoben, jetzt sagte der Vorsitzende aufgebracht: “Nun ist es aber genug, das ist ja unerhört.”

Damit war die Verhandlung geschlossen, und die drei Heeresrichter verschwanden im Beratungszimmer. Es dauerte kaum fünf Minuten bis zur Wiederkehr des Gerichtes. Stehend hörten alle Beteiligten das Urteil “Im Namen des Volkes”: “Der Angeklagte Eugen Wasner hat Deutschlands Führer und Reichskanzler in übelster Weise heimtückisch beleidigt und verleumdet. Er hat hierdurch und durch weitere defätistische Äußerungen die Wehrkraft des deutschen Volkes zersetzt. Er wird deshalb mit dem Tode bestraft.”

Die knappe mündliche Urteilsbegründung, die er Vorsitzende pflichtgemäß zu sprechen hatte, begnügte sich mit wenigen Tatbestands-Feststellungen, bei denen auf den möglichen Wahrheitsgehalt der Ziegenbock-Geschichte mit keinem Wort eingegangen wurde. Der Vorsitzende erklärte im Gegensatz zum Urteilstenor, in dem von Beleidigung und Verleumdung des Führers die Rede war, daß der Verurteilte “sich durch üble Äußerungen über den Führer der Heimtücke und der Wehrkraftzersetzung” schuldig befunden habe – zwei Straftatbestände, die außerhalb des Strafgesetzbuches erst nach 1933 durch besondere Strafgesetze (Heimtückegesetz und Kriegssonderstrafrechtsordnung) geschaffen worden waren. Für das verbrecherische Verhalten des Verurteilten, der die Wehrkraft des Volkes in seinem schwersten Abwehrkampf gegen den Bolschewismus rücksichtslos und vorsätzlich in gemeinster Weise geschädigt und zersetzt habe, sei die Todesstrafe die einzig mögliche und angemessene Sühne gewesen.

Wieder einmal hallte dann der schematische Schlußsatz durch den fast leeren Gerichtssaal, den ich in den letzten Jahren immer wieder hatte anhören müssen: “Die Verhandlung ist geschlossen, der Verurteilte ist abzuführen.”

Gegen Urteile des Zentralgerichts des Heeres gab es wie bei allen Sondergerichten und beim Volksgerichtshof keinerlei Rechtsmittel. Die Urteile aller Militärgerichte bedurften jedoch zu ihrer Vollstreckung der Bestätigung durch den obersten Gerichtsherrn. Das war als Oberbefehlshaber der Führer, dem hierfür im Oberkommando der Wehrmacht eine Rechtsabteilung zur Verfügung stand, die mit Militärjuristen besetzt war. Im allgemeinen wurde das Bestätigungsrecht auf die Oberbefehshaber der Armeen und der Armeekorps delegiert, für den Bezirk Berlin übte der Stadtkommandant die Befugnisse des Obersten Gerichtsherrn aus, soweit es sich nicht um Sonderfälle oder um Verurteilung von Offizieren handelte, für die der Oberbefehlshaber der Wehrmacht sich die Bestätigung allein vorbehalten hatte.

Hin und wieder war es im Betätigungsverfahren der Verteidigung möglich, durch schriftliche Gegenvorstellungen eine Aufhebung des Urteils und eine Zurückverweisung an das erkennende oder an ein anderes Gericht zum Zwecke neuer Verhandlung zu ereichen, seltener auch eine Abänderung des Urteils durch Milderung des Strafmaßes. In jedem Fall blieb gegen rechtskräftige Urteile auch noch der Weg des Gnadengesuchs offen mit dem Ziele des Strafaufschubs, einer Umwandlung der Strafe oder der Gewährung einer Bewährungsfrist. Für den Gnadenerweis waren bei Militärgerichtsverfahren jedoch dieselben Instanzen wie für das Bestätigungsverfahren zuständig. Je nach Lage des Falles versuchte also ein pflichtbewußter Verteidiger, bei ungünstigen Urteilen für seine Klienten entweder auf dem Aufwendungswege beim Bestätigungsverfahren oder mindestens im Gnadenwege noch etwas herauszuholen – oftmals in einem Schriftsatz, in dem sowohl prinzipielle Einwendungen gegen die Bestätigung eines mangelhalft gehaltenen Urteils erhoben wurden, als auch zugleich, falls die Urteilskritik für unbegründet gehalten werden sollte, um einen Gnadenerweis gebeten wurde.

Im Falle Wasner beriet ich mich mit dem mir gut bekannten Generalrichter Rosencrantz, der beim Berliner Stadtkommandanten General v. Haase praktisch die Funktion des Bestätigungsgerichtsherrn ausübte. Der General billigte nämlich als Gerichtsherr die ihm von Rosencrantz als oberstem Richter des Kriegsgerichts der Berliner Wehrmachtskommandatur vorgetragenen Entscheidungsvorschläge meistens und schenkte seinem Judiz volles Vertrauen. Mit Rosencrantz, der kein Nazi war und oft erstaunlich offen sprach, ließ sich nicht nur korrekt, sondern auch menschlich verhandeln; in seinem Wirkungsbereich hat er unendlich viel Gutes getan und Böses verhindert.

Als ich Rosencrantz den Fall Wasner vortrug, der sich nicht in seinem Zuständigkeitsbereich, sondern als Sonderfall im Berich des OKW befand, weil er beim Zentralgericht des Heeres abgeurteit war, winkte er alsbad ab mit dem Bemerken, daß ihm “dieses dolle Ding von unseres Gröfaz Jugendsünden” schon aus Kasinounterhaltungen mit dem Oberkriegsgerichtsrat bekannt sei, der die Anklage bearbeitet habe. Da der psychiatrische Gutachter nicht funktioniert habe, sei da aber wohl Hopfen und Malz verloren. Übrigens habe Keitel schon heftig protestiert, daß der Anklagevertreter überhaupt noch ein Gutachten eingefordert hatte. Keitel habe auf besonders schnellem Verfahrensablauf mit der ausdrücklichen Weisung auf Antrag der Todesstrafe bestanden. “Tun Sie, was Sie können, lieber Herr Rechtsanwalt”, sagte der Generalrichter, “aber ich sehe da keine Hoffnug mehr. Dem Mann wird nicht mehr zu helfen sein.”

Diese Unterredung fand am Tage nach der Urteilverkündung statt. Einige Tage später erhielt ich das schriftliche Urteil. Umgehend danach reichte ich meinen Einwendungsschriftssatz und zugleich ein Gnadengesuch beim Zentralgericht des Heeres ein. Schon drei Tage später – so schnell hatte ich noch keine Verfahrensabläufe erlebt – erhielt ich die Bestätigung des Urteil durch das Oberkommando der Wehrmacht und die Ablehnung des Gnadengesuches, beide im Auftrag des Generalfeldmarschalls Keitel von Generalrichter Dr. Sack unterzeichnet. Das OKW und seine Rechtsabteilung befanden sich damals in Rastenburg/Ostpreußen in der Nähe des Führerhauptquartiers “Wolfsschanze”. In Eilfällen lief alles über Fernschreiber oder Telephon.

Zwei Tage später kam durch Zustellung die Nachricht, daß die Vollstreckung des Todesurteils morgens 4.30 Uhr am nächstfolgenden Tage stattfinde. Verteidiger mussten von den Hinrichtungsterminen benachrichtigt werden; es stand ihnen frei, daran teilzunehmen. Dagegen war ihnen verboten, dem Verurteilten vom Zeitpunkt der Hinrichtung Nachricht zu geben. Das besorgte ausschließlich der Anklagevertreter am Abend vor der Hinrichtung. Der Gefängnisgeistliche und der Verteidiger durften den Verurteilten eine halbe Stunde vor der Hinrichtung für zehn Minuten aufsuchen.

In einer dunklen, regnerischen Novembernacht fuhr ich – nicht zum ersten Mal – mit einer Taxe in das Gefängnis Plötzensee in der Berliner Jungfernheide, war um 4.00 Uhr dort und wartete dort vor der Zelle Wasner im sogenannten Todesflügel. Der katholische Geistliche war bei ihm. Als er herauskam, ging ich hinein. Wasner war gefaßt, er saß mit Drillichhose, Holzpantoffeln und einem offenen Leinenhemd auf seiner Pritsche, die Hände hatte er noch gefaltet. Aus jedem Auge lief langsam eine Träne.

Ich sagte ihm mein Bedauern, daß ich nichts für ihn hätte erreichen können, wir lebten in schlimmen umd schweren Zeiten, ein Menschenleben gelte nicht mehr viel. Wasner sagte langsam: “Ein Menschenleben gilt für nix, aber ich hoffe doch im Himmel droben.” Ich sagte: “Ja, gewiss.” Wasner bat mich noch, seinem Neffen zu sagen, daß er keine Furcht vor dem Tode gehabt habe und dass er ihn herzlich grüßen lasse. In diesem Moment kam mit schweren Tritten der genagelten Stiefel das Begleitkommando von sechs Soldaten und einem Unteroffizier, dazu der Oberkriegsgerichtsrat der Anklage; der Geistliche stand an der Zellentür. Wasner stand auf, gab mir ohne ein Wort die Hand und ging zum Geistlichen, der ihn in den Arm nahm und in den Gang führte. Er blieb neben ihm, als sich die Gruppe in Marsch setzte. Ich ging im Abstand von einigen Metern mit, einen Gang entlang, dann eine Treppe nach unten, dann wieder einen Gang bis zu einer Eisentür. Dort stand ein Schließer, der die Tür in den Hof öffnete, in dem die Guillotine stand und wo der Henker mit seinem Gehilfen in trüber Beleuchtung wartete. Man ging einzeln durch die Tür, die dann vom Schließer wieder geschlossen wurde. Ich blieb hinter der Tür stehen und stand jetzt etwas hilflos da. Da sagte der Schließer: “Heil Hitler, Herr Rechtsanwalt, ich geh auch nicht mehr hinaus. Sie können wieder gehen. Ich muss ja noch hierbleiben, ist schon nicht einfach. Nacht für Nacht dasselbe.” Ich sage auch “Heil Hitler” und ging davon, die Schläge des Armesünderglöckchens im Ohr.

In vielen Hitler-Biographien ist von Historikern, Ärzten und Publizisten auch nach der seelischen Konstruktion dieser unheimlichen Erscheinung gefragt worden, wobei mitunter auch auf seine Beziehungen zu Frauen eingegangen wurde, die recht spärlich gewesen zu sein scheinen. Man hat versucht, sein merkwürdiges Verhalten zu Eva Braun zu verstehen, eine erotische, aber offensichtlich asexuelle Beziehung, seine Einsamkeitsanwandlungen, seine Wutanfälle, seine unbarmherzige Rachsucht und seinen geradezu pathologischen Trieb zur Vernichtung eingebildeter Feinde. Noch mehr als fünfunddreißig Jahre nach seinem Selbstmord im Bunker der Reichskanzlei steht die Welt vor dem psychologischen und psychiatrischen Rätsel dieses unheimlichen Bewegers der Weltgeschichte. Wenn ich heute an Wasner denke, so will mir scheinen, daß solche Verirrungen eines Jugendlichen, wie sie Wasner vom achtjährigen Hitler berichtet hat, einen kleinen Mosaikstein zur Aufschlüsselung eines Mannes geben, der vielleicht Genie, sicher Monster gewesen ist. An dem Wahrheitsgehalt von Wasners Bericht, der ein naiver, aber tief gottesfürchtiger Mensch war, habe ich nie einen Zweifel gehabt.”

Gott segne an uns allen diese Geschichte. Damit wir nie wieder einen gewählten Herrscher wie Adolf den Schrecklichen bekommen.


Feb 26, 04:42

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