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Das Wichtigste für die Menschheit im Rentenrecht (43/2011)

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Die deutsche Rente richtet sich nach dem Prinzip: Wer durch Arbeit viel Geld verdient hat, bekommt im Alter entsprechend eine höhere Rente. Die Ausnahme bestätigt die Regel.

Der größte Vorteil der staatlichen Rente ist: Sie arbeitet prinzipiell ohne Schulden. Das vernünftige Umlageverfahren sorgt dafür: Wer sozialversicherungspflichtig arbeitet, zahlt in die Rentenkasse ein; einmal der Arbeitnehmer und dann noch der Arbeitgeber. Der Sozialstaat verteilt das Geld am nächsten Tag gerecht an die Rentner. Das gehört leider nicht zum Abiturwissen: Die Statistiker berechnen jedes Jahr das Durchschnittseinkommen aller Menschen, welche in die Rente einzahlen. Dieses bekommt die Zahl 1, genannt Punkt. Wer 40 Jahre nach dem Durchschnittseinkommen eingezahlt hat, besitzt also 40 Punkte. Diese werden mit einer Zahl multipliziert, die jedes Jahr im Bundestag neu festgelegt wird. Das Resultat bzw. Ergebnis ist die Monatsrente.

Da Deutschland nach dem Grundgesetz ein sozialer Bundesstaat ist, gibt es natürlich Ausnahmen für Mütter, Witwen, Verunglückte und ehemalige DDR-Bürger. Eine Witwe bekommt, auch wenn sie keinen Cent in die Rente eingezahlt hat, eine Witwenrente. Argument: Sie hat ihrem Ehemann durch ihre Familienarbeit das Berufsleben ermöglicht. Und damit die Einzahlungen in die Rente. Wie ist das mit den früheren DDR-Arbeitern? Die hatten einen für westdeutsche Verhältnisse sehr niedrigen Monatslohn. Die DDR-Rente richtete sich nach dem Durchschnittslohn der DDR-Bürger. Entsprechend waren die DDR-Renten sehr niedrig. Der DDR-Staat verstand unter Gerechtigkeit insbesondere niedrige Nahrungsmittelpreise und Mieten, was ökonomisch zum Untergang der DDR führte. Es ist leider nur wenigen Wählern bekannt, wie die DDR-Regierung mit dem indirekt geförderten Geld-Schwarzmarkt zuerst ihre gute Währung und damit ihr soziales System selbst zerstörte.

Alle DDR-Regierungen hatten nach dem Grundgesetz 40 Jahre lang das Recht auf Wiedervereinigung mit Währungsunion. Die frei gewählte DDR-Regierung sorgte mit dem Einigungsvertrag hauptsächlich dafür: Nach der Vereinigung stiegen die DDR-Renten auf Westniveau, weil fast alle Frauen gearbeitet haben. Das war das eigentliche Konjunkturprogramm in den neuen Bundesländern. Die meisten Großeltern haben damit ihre Kinder und Enkelkinder unterstützt. Solidarität war in der DDR sehr wichtig. Nach der Wiedervereinigung brach das Wirtschaftssystem in den neuen Bundesländern zusammen. Gewinne und Löhne blieben niedrig. Und die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Die neudeutsche Solidarität sorgte über den Länderfinanzausgleich und den Sozialtransfer von West nach Ost in den letzten 20 Jahren für den sozialen Frieden. Jedes Jahr werden die Rentenzahlungen von West nach Ost weniger, weil die alten glücklichen DDR-Rentner langsam aussterben. Und die Neurenten in den neuen Bundesländern werden immer niedriger, weil sie sich immer mehr nach den niedrigen DM- und €-Einkommen richten. Fast alle Steuerzahler freuen sich darüber.

Viele Mütter im Westen beklagen sich über ihre niedrigen Renten. Durch die Arbeit mit ihren Kindern mussten sie viele Jahre aus dem Erwerbs-Arbeitsleben ausscheiden und konnten danach nur sehr schlecht bezahlte Arbeit bekommen. Zusätzlich haben 35 Jahre Millionen-Arbeitslosigkeit die Löhne sehr stark gedrückt. Weil zu viele Mütter wenig Geld in die Rente eingezahlt haben, ist ihre Rente entsprechend niedrig. Die Mütter-Jahre wirken fast nicht. Wenn eine Mutter durch Arbeit z.B. nur 10 Rentenpunkte eingesammelt hat, beträgt ihre Rente nur 25 Prozent der Durchschnittsrente. Die Mütter-Jahre wirken entsprechend ungerecht. Die Rentner vergleichen sich natürlich mit Hartz IV-Empfänger, die keinen Cent in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Wie kann für mehr Gerechtigkeit in Deutschland gesorgt werden? Für die Mütter-Jahre sollte das Prinzip des Kindergeldes gelten: Gleiches Kindergeld für Arme und Reiche. Wenn es für jedes Kinderjahr statt des Jahres bei der Berechnung der Rente einen Durchschnittspunkt gäbe, ergäbe das einen Riesenschritt in Richtung soziale Gerechtigkeit. Die Wirtschaft läuft sehr gut im Jahr 2011. Die Sparquote ist 2010 von 11,7 auf 11,1 Prozent gesunken. Deshalb ist die Zahl der offenen Arbeitsstellen von Januar bis Dezember von 309 000 auf 412 000 gestiegen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist von 27 490 000 auf 28 047 000 gestiegen, also um 557 000 !!! Die Zahl der Arbeitslosen sank in dem Zeitraum von 3 381 000 auf 3 132 000, also um 249 000. Ende Juni 2011 hatten wir nur noch zwei Millionen 967 000 Arbeitslose. 2 967 000 geteilt durch 249 000 ergibt 11,9. Das bedeutet: Wenn alles wirtschaftlich so gut weitergeht, haben wir in 11 Jahren nur noch 249 000 Arbeitslose.

Oberstes Ziel der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik muss sein: Mehr offene Stellen als Arbeitslose. Denn nur dann können jene Menschen, die mit Hartz IV zufrieden sind und nicht so gerne Geld verdienen, in Arbeit kommen. Fachleute nennen das: Auf die Drehscheibe setzen. Wer zu oft zu spät am Arbeitsplatz erscheint, wird entlassen und hat drei Tage später eine neue Arbeit. Das Arbeitsleben kann dann mit neuem Glück beginnen. Ich frage mich seit 30 Jahren, warum unsere Wirtschaftsverbände immer noch nicht klüger geworden sind. Das Volk weiß: Geld regiert die Welt. Aber wie?

Das weiß doch jedes Kind: Wir können mit unserem Geld nur zwei Dinge tun, es ausgeben oder sparen. Wenn wir es ausgeben, werden dadurch Umsätze, Löhne, Gewinne, Investitionen und Steuern. Es läuft ein positiver Kreislauf. Wenn wir zu viel Geldsicherheit ansparen, startet ein negativer Kreislauf: mehr Konkurse, mehr Arbeitslose, mehr Armut und damit weniger Gerechtigkeit. Wir alle zusammen haben in den letzten Jahrzehnten 3 Billionen 614 Milliarden 400 Millionen € auf die Hohe Kante gepackt. Nach Soll und Haben, dem Grundgesetz von Firmen und Banken gibt es deshalb gleich viele Schulden. Nicht alle in Deutschland. Denn deutsche Banken haben nicht nur dem deutschen Staat sondern auch dem griechischen Geld geliehen. Weil: Der griechische Staat hat sechs Prozent Zinsen versprochen, der deutsche nur zwei Prozent. Die Bundesregierung hat ein Bundespresseamt. Wofür bezahlen wir Steuerzahler diese Leute. Demnächst gilt die neue Schuldenbremse des Grundgesetzes. Hat unsere Kanzlerin uns schon einmal ermahnt, weniger Geld zu sparen?

Die Prozent-Rechnung wird an deutschen Schulen zu kompliziert gelehrt. Mathelehrer sollten ihren Schülern regelmäßig diese Aufgabe geben: Wir hoch steigen 1 000 € Schulden bei sechs Prozent Zins, wenn man die Zinsen nicht bezahlt und die Schulden nicht tilgt. Die Schüler müssen dann in ihre Taschenrechner tippen: 1 000 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 × 1,06 = ? Ergebnis ist: 2 012,196, also gut und ungefähr eine Verdopplung. Das könnten sich Schüler gut merken:
1. Ein Zins von sechs Prozent bedeutet eine Verdopplung in 12 Jahren.
2. Ein Zins von drei Prozent bedeutet eine Verdopplung in 24 Jahren.
3. Ein Zins von 12 Prozent bedeutet eine Verdopplung in sechs Jahren.

Wenn alle Kinder das auswendig könnten, wüssten es auch alle Politiker, die lieber Wahlgeschenke auf Kredit verteilen. Die deutschen Staatsschulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen betrugen Ende 2010 zwei Billionen 079 Milliarden und 600 Millionen €. Das sind 57,54 Prozent unserer Geldersparnisse bei Banken und Versicherungen. Die Staatsschuldzinsen betrugen 2008 68 Milliarden €, eine für Normalbürger unvorstellbar hohe Summe. Wenn man sie mit der Summe aller Kindergelder vergleicht, wird sie verständlicher. Im Jahr 2007 gaben wir Steuerzahler nur 33,7 Milliarden € an Mütter und Väter weiter, also die Hälfte aller Staatsschuldzinsen. Was für ein Wahnsinn des deutschen Volkes? Deshalb gibt es auch so viel Hass auf Ausländer und Muslime.

Was bedeutet das ökonomisch? Kindergelder sind eine gute staatliche Subvention an Familien mit Kindern. Staatsschuldzinsen sind dagegen eine schlechte staatliche Subvention an die Verursacher der Millionenarbeitslosigkeit: Geldsparer, Politik- und Banksystem. Warum konnten Sie das noch niemals in Ihrer Zeitung lesen? Nun wissen Sie besser, wie das Geld die Welt regiert. Der einzelne Mensch sollte sich nicht vom Geld regieren lassen. Wir sollten besser auf unsere Politiker aufpassen. Minister müssen einen Eid leisten, Schaden vom Volk abzuwenden. Die einzig mögliche Strafe ist für uns Bürger ihre Abwahl. Leider gehen zu viele Menschen nicht mehr zur Wahl. Die Nichtwähler sind die größte Partei in Deutschland. Wie können wir das ändern? Mit Verwandten, Freunden und Kollegen darüber in Ruhe und friedlich unterhalten !!! Am besten: Neue Witze erfinden.

PS: Das hätte ich beinah vergessen: Alles was der Staat uns über Steuern und Sozialabgaben abknöpft, können wir nicht sparen. Und was wir nicht sparen können, können die Bankdirektoren auch nicht zu Schulden machen. Steuern und Sozialabgaben sind also das gute Fundament der Sozialen Marktwirtschaft, denn sie drücken die Sparquote. Die ökonomischen Fachidioten sind anderer Meinung. Dazu ein Vergleich. Was meinen Sie, was ist wichtiger, Sonne oder Mond? Sagen Sie bitte mal “Sonne”. Ich dazu im Spaß: “Total falsch, der Mond ist wichtiger, denn am Tag ist es doch sowie hell. Denn Gott hat am ersten Tag das Licht geschaffen. Und Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag, damit wir Menschen Tag und Nacht unterscheiden können.” Die Wahrheit kennen Sie. Vergleichen Sie bitte die Sonne mit den Gewinnen und den Mond mit den Lohnnebenkosten. Was ist wichtiger? Leider leben zu viele Politiker in Berlin noch immer hinter dem Mond.


Aug 1, 07:11

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